Auf dem Weg ins russische Herz
Am neunten Tag der E-Class Experience setzten nicht nur Russlands Verkehrswege, sondern auch Geschichte und Kultur des Landes deutliche Akzente. Der Moskauer Kreml und die traditionsreiche Stadt Suzdal ließen die russische Vergangenheit wieder aufleben. Entlang der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn eroberten sich die Teams zwischen Moskau und Nischni Novgorod weiteres russisches Terrain.
Leichter Schneefall und ein eisiger Wind am frühen Morgen deuteten darauf hin, dass mit der Zeitumstellung in der vorangegangenen Nacht auch ein Wechsel der Jahreszeiten einhergegangen war. Bei typisch russischem Oktoberwetter starteten die Teilnehmer ihr Tagesprogramm – zunächst nicht auf der Straße, sondern in der alten Residenz der Zaren: dem Moskauer Kreml.
Die historische Festungsanlage, seit 1990 Teil des Unesco-Weltkulturerbes, ist der älteste Teil der Stadt und heutiger Regierungssitz. Für die internationalen Teilnehmer der Langstreckenfahrt wurde die Besichtigung des rund 280.000 Quadratmeter großen Areals mit seinen zahlreichen Palästen und Kirchen zum besonderen Erlebnis: „Diese Anlage ist unglaublich“, staunte der Schwede Karl Tibratt vom „Auto Motor und Sport“-Leserteam. „Es ist beeindruckend, das Zentrum der neueren russischen Geschichte ganz hautnah erleben zu können. Ich hätte nie gedacht, einmal direkt vor dem Amtsgebäude von Vladimir Putin zu stehen.“
„Motoren starten“ hieß es dann an der Ostseite des Kremls, direkt vor der Basilius-Kathedrale am Roten Platz. Von hier aus gingen die 36 E-Klassen auf die 424 Kilometer lange Tagesetappe nach Nischni Novgorod und folgten dabei der Strecke der längsten Eisenbahnstrecke der Welt. Die Züge der transsibirischen Eisenbahn beginnen in Moskau ihre sechstägige Reise in das 9.300 Kilometer entfernte Wladiwostok – durch zehn Zeitzonen und vorbei an fast 90 Städten. Noch bis Jekaterinburg werden die Teams der legendären Verkehrsverbindung folgen.
Auf der Hauptstraße 7, die Moskau über Nischni Novgorod mit Perm verbindet, ging es immer weiter Richtung Osten. „Diese Fahrt ist etwas ganz Besonderes“, zeigte sich der Schweizer Peter Kremmel, Präsident des dortigen Mercedes-Benz SL Clubs und ebenfalls im „Auto Motor und Sport“-Team unterwegs, von der Etappe begeistert. „Viele Touristen besuchen vielleicht einmal im Leben St. Petersburg oder Moskau. Aber wir kommen wirklich in das Landesinnere“, unterstrich Karl Tibratt.
Das Herz Russlands entdeckten die Teams nicht zuletzt bei einem Abstecher nach Suzdal, einem der traditionsreichsten Orte Russlands im sogenannten Goldenen Ring und lange Zeit einer der politischen Mittelpunkte des Landes. „Die Stadt ist wie ein russisches Disneyland“, zeigte sich ebay-Teilnehmerin Claudia Stamm von den zahlreichen Kirchen und ihren schönen Zwiebeltürmen fasziniert. Der Suzdaler Kreml sowie die Muttergottes-Geburts-Kathedrale mit ihren fünf blauen Kuppeln und dem Erlöser-Euthymios-Kloster gehören ebenfalls zum Unesco-Weltkulturerbe.
Auf der weitgehend gut ausgebauten Fernstraße nach Nischni Novgorod verlief die Route vorbei an lang gestreckten Birkenwäldern und kleineren Ortschaften, die für die westeuropäisch geprägten Autofahrer unbekannte Tücken in sich bargen: „Man weiß nie, ob man noch auf dem Highway fährt, oder ob man bereits in einer Stadt angelangt ist“, zeigte sich nicht nur Peter Kremmel wegen der ständig wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen irritiert. Für Vorsicht am Gaspedal sorgten aber nicht nur die zahlreichen Polizeikontrollen, sondern auch die heftigen Schneefälle kurz vor dem Tagesziel. Auch für morgen sind Schneefälle bei Temperaturen um null Grad vorhergesagt.







