Thomas Kristan Das Risiko zu scheitern ist nicht größer als die Chance zu gewinnen!

4Jan/070

Das Bankschließfach

Fort Knox für Jedermann

Ein kleines Fach im Banktresor kann sinnvoll sein, nicht nur für Schmuckbesitzer. Welche Werte zu Hause in den Schubladen liegen, wird manchem erst klar, wenn es zu spät ist. Zum Beispiel nach einem Einbruch: Gestohlene Computer oder Fernsehgeräte machen oft nur einen Bruchteil des Schadens aus. Sind aber Wertgegenstände wie teure Schmuckstücke, Uhren oder Briefmarken weg, geht der Schaden schnell in die zigtausende. Wirklich reiche Leute bringen ihre wertvollen Geschmeide, Bargeldbündel oder Goldbarren deshalb sicher unter: Entweder im privaten Tresor hinter dem Ölgemälde oder im Schließfach einer verschwiegenen Schweizer Bank.

Doch auch für weitaus weniger betuchte Leute kann es sich durchaus lohnen, Wertgegenstände sicher aufzubewahren. Denn im Einzelfall reicht die übliche Hausratversicherung nicht aus: Bei Standardpolicen ist die Haftung für Wertsachen meist auf 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt. Ist der Hausrat mit 50.000 Euro versichert, liegt die Obergrenze für Wertsachen bei 10.000 Euro. Sollen besonders wertvolle Einzelstücke in die Hausratpolice mit aufgenommen werden, steht der Kunde vor der Wahl: Einen satten Prämienaufschlag in Kauf nehmen oder die Wertsachen in einem Tresor oder Bankschließfach aufbewahren. Gerade für handliche und sehr wertvolle Gegenstände ist das Schließfach im Banktresor der ideale Aufbewahrungsort. Doch die diskreten Fächer der Geldinstitute sind nicht nur für Meisteruhren, Gold und Diamanten geeignet. Auch Stammbücher, Versicherungspolicen, Testamente oder Unterlagen über Geheimzahlen und Passwörter können dort sicher gelagert werden.

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit betrifft Unternehmer und Freiberufler. Vor allem in kleineren Unternehmen wird nach Erkenntnis vieler EDV-Experten die Datensicherheit oft sträflich vernachlässigt. Das die Sicherungsdisketten einfach neben dem Computer abgelegt und nicht einmal räumlich getrennt aufbewahrt werden, ist in vielen Kleinbetrieben eher die Regel als die Ausnahme. Doch in solchen Fällen wird bei einem Brand oder Einbruch die Datensicherheit zur Makulatur. Nimmt der Einbrecher den PC mitsamt den herumliegenden Disketten mit, sind wichtige Kunden- und Buchhaltungsdaten mitsamt den Kopien auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Werden die Datenträger jedoch im Bankschließfach aufbewahrt, ist eine Rekonstruktion der für das Unternehmen überlebenswichtigen Daten problemlos möglich.

Der Zugang zum Bankschließfach erfolgt auf unterschiedliche Weise, abhängig davon, ob die Bank ein manuelles oder elektronisches Tresorsystem hat. Beim manuellen system wird der Kunde nach der Identitätsprüfung von einem Mitarbeiter begleitet, der den Tresorraum aufschließt. Mit seinem eigenen Schlüsse muss dann der Kunde sein Fach öffnen. Bei elektronischen Zugangssystemen braucht der Kunde Chipkarte, Geheimzahl und Fachschlüssel, um an den Inhalt zu gelangen. Um Personal zu sparen, rüsten immer mehr Banken ihre manuellen Schließanlagen auf elektronische Systeme um.

Was im Schließfach wirklich drin ist, das weiß nur der Nutzer. Für den recht unwahrscheinlichen Fall eines Bankraubs oder eines Brands sollte er daher ein Verzeichnis mit allen im Schließfach deponierten Gegenständen und Dokumenten anfertigen. Bei Wertgegenständen sollten idealerweise eine Expertise und ein Foto vorliegen. So kann die Versicherung der Bank im Schadensfall Ersatz leisten, wenn im Mietpreis eine Standardversicherung enthalten ist. Ist der Wert der im Schließfach deponierten Gegenstände höher als die Versicherungssumme der Bank, empfiehlt sich eine Extrapolice.

Ganz unabhängig davon, ob und in welcher Höhe die Bank eine Versicherung dieses Inhalts anbietet, haftet sie bei Fahrlässigkeit ihrer eigenen Mitarbeiter. Weil die Bank mit dem Schließfach-Mietvertrag Wertgegenstände des Kunden in ihrer Obhut nimmt, muss sie auch für die entsprechende Sicherheit sorgen. Geht ein Bankmitarbeiter etwa leichtfertig mit der Sicherheit des Tresors um, haftet die Bank in unbegrenzter Höhe.

Das die Nachfrage nach Bankschließfächer groß ist, zeigen die Belegungskarteien der Banken. Bei einigen Instituten gib es sogar Wartelisten für bevorzugte Größen. Trotzdem: Ein Preisvergleich der Angebote lohnt sich. Die Mitpreise schwanken je nach Institut stark. Bei größeren Bankschließfächern lassen sich mit der Wahl eines günstigen Anbieters unter Umständen dreistellige Summen pro Jahr sparen. Sparen kann auch, wer die Safe-Miete von der Steuer absetzt. Doch das geht nur, wenn dort Wertpapiere lagern, deren Erträge auch versteuert werden.

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4Jan/070

Börsenirrtum Nr. 3

Analysten machen nur richtige Prognosen

Die Medien sind voll davon: Finanzprognosen. Eine verwirrende Fülle solcher Prognosen für Aktienkurse, Wertpapierindizes, für Zinsen, Devisenkurse, Unternehmensgewinne, Arbeitslosenquoten, Inflations- und Wachstumsraten ergießt sich tagtäglich über die Anlegerschaft. Viele dieser Prognosen stammen von hoch renommierten Wirtschaftsexperten, weltweit bekannten Ökonomen und Analysten oder großen, angesehenen Banken. Die meisten Anleger orientieren sich an diesen Prognosen, in der an sich plausiblen Annahme, dass die Experten "es ja wissen müssen".

So überraschend es klingen mag: Die Erfolgsbilanz all dieser Prognosen ist geradezu katastrophal. In seinem Buch "The Fortune Sellers" beschreibt William Sherden dieses Versagen auf der ganzen Linie anhand einer Fülle von Beispielen, die überwiegend, aber nicht ausschließlich dem Finanzbereich entspringen. Die Finanzwissenschaft ist sich darüber einig, dass es nicht möglich ist, systematisch ausbeutbare Prognosen für einzelne Wertpapiere oder auch für ganze Marktsegmente zu erstellen. Warum ist dieser Umstand den Anlegern nicht allgemein bekannt?

  • Praktisch alle Prognostiker vermarkten ihre richtigen Prognosen weithin, lassen aber die falschen stillschweigend unter den Tisch fallen.
  • Viele Prognosen sind so ungenau, dass sie zwar irgendwann eintreffen, aber von vornherein nicht zur Grundlage einer Investitionsentscheidung taugen (zum Beispiel Kurszielprognosen ohne genaue Angabe eines Zeitpunktes).
  • Falsche Prognosen werden kurzerhand "revidiert", also durch neue Vorhersagen ersetzt.
  • Und schließlich glauben viele Anleger, die Experten müssten doch ganz einfach einen Wissensvorsprung vor den Laien haben, da dies ja auf den meisten anderen Fachgebieten des Lebens auch der Fall sei - eine verständliche, aber unrichtige Annahme.
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4Jan/070

Börsenirrtum Nr. 2

Zuverlässige Renditeangaben

Viele private Geldanleger vertrauen darauf, dass Renditeangaben der Banken, Fondsgesellschaften und Finanzmedien gleichsam reine, »objektive« Mathematik seien. Diese Vorstellung ist nicht zutreffend. Um Renditen ganz legal in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen, macht die Zunft Gebrauch von zwei verschiedenen Kategorien von Mitteln. Für beide Kategorien lassen sich Hunderte von Beispielen finden.

Präsentationstricks

Darunter fallen vor allem die Unterdrückung unvorteilhafter und die einseitige Hervorhebung vorteilhafter Informationen, das Ausweisen von Bruttorenditen, die kein einziger Anleger tatsächlich erzielen kann, da er eine ganze Reihe unterschiedlicher Anlagekosten zu bezahlen hat, und die Verwendung nur scheinbar angemessener Vergleichsgrößen.

Mathematische Tricks

Ein einzelnes mathematisches Verfahren, mit dem Rendite »objektiv« errechnet werden kann, existiert ganz einfach nicht - seien es nun Wertpapier-, Depot- oder Fondsrenditen. Vielmehr lassen sich etwa ein halbes Dutzend unterschiedlicher, formal korrekter Rechenmethoden unterscheiden, die - je nach Situation - zu gravierend unterschiedlichen Renditeangaben führen.

Die populärsten Tricks der Finanzbranche sind folgende:

Bruttorenditen ausweisen

Wichtige Kosten, die der Anleger tatsächlich zu tragen hatte, werden in der Renditekalkulation nicht berücksichtigt. Unter der neutralen Bezeichung "Rendite" wird eine reine Bruttorendite ausgewiesen, die jedoch höher ist als die Nettorendite (die Bruttorendite nach Kosten), die schlussendlich im Geldbeutel des Anlegers ankommt.

Der durchschnittliche Fonds- oder Einzelwertanleger muss jährliche Kosten von 2 bis 3 Prozent seines Anlagevolumens hinnehmen (exklusive Steuern). Bei Anlegern, die viel traden kann diese Quote leicht auf über 5 Prozent steigen. Nimmt man nun an, dass ein Fonds- oder Einzelwertanleger langfristig bei niedrigem bis mittleren Risiko eine Bruttorendite von 13 Prozent pro Jahr wohl kaum überschreiten kann, verschenkt er bei einer Kostenbelastung von 2,5 Prozent rund 20 Prozent (nicht Prozentpunkte) der Rendite auf sein Kapital an die Finanzbranche.

Umgekehrt betrachtet muss ein Anleger, der glaubt, durch seine aktive Anlagestrategie den Markt schlagen zu können, durchschnittlich mindestens 20 Prozent erfolgreicher sein als der Markt, um netto überhaupt erst mit diesem gleichzuziehen. Dass es leicht möglich ist, mit Indexanlagen bei gleicher langfristiger Bruttorendite die laufende Kostenbelastung auf deutlich unter 1 Prozent zu senken, macht Vergleiche der Bruttorenditen aus der Sicht der Anbieter kostenintensiver Anlageprodukte um so nahe liegender.

Den vorteilhaftesten Zeitraum auswählen

Der Renditeberechnung wird eine Zeitperiode zugrunde gelegt, die günstiger war als diejenige, während derer der Anleger tatsächlich investiert war, oder günstiger als diejenige, die ein neutraler Sachverständiger auswählen würde. Ein erstaunlich durchsichtiger, aber dennoch populärer Trick, den Banken und Fondsgesell- schaften immer wieder gerne anwenden.

Da Renditen nicht als absolute Größen, sondern erst im Vergleich Aussagekraft gewinnen, stellt sich naturgemäß die Frage, welchen vergangenen Zeitabschnitt man für den Vergleich verwendet. Da es hierzu keine Vorschriften gibt, wählen Fondsgesellschaften und Musterdepot-Manager Zeitintervalle, in denen das betreffende Anlageprodukt eine besonders gute Rendite aufwies. Nun schwanken bekanntlich die Renditen von Wertpapieren und Fonds im Zeitablauf, und so überrascht es nicht, dass es für so gut wie jedes Anlageprodukt einen oder mehrere Zeiträume gibt, in denen es besser als die Konkurrenz oder der Vergleichsindex abgeschnitten hat.

War das im abgelaufenen Jahr nicht der Fall, dann vielleicht in den vergangenen drei, sieben oder 15 Jahren. Was liegt näher, als diese Intervalle in der Werbung zu betonen und die ungünstigen Vergleichszeiträume, zum Beispiel ein, zwei, fünf oder zehn Jahre, entweder im Kleingedruckten zu begraben oder gleich gar nicht anzugeben?

Mit falscher Benchmark vergleichen

Als Benchmark für einen Fonds werden sachlich unangemessene Indizes verwendet, weil diese Vergleichsmaßstäbe eine niedrigere Rendite aufweisen als die eigentlich angemessene Benchmark. So erscheint der eigene Fonds in einem günstigeren Licht. Nicht selten erfolgt der Vergleich auch mit der Durchschnittsrendite einer "Vergleichsgruppe" von Fonds, wenn dieser Durchschnitt niedriger liegt als der Index.

Risiko ignorieren

Der eigene risikoreiche Fonds (mit einer hohen Volatilität = starken Wertschwankungen) wird mit einem Index verglichen, der zwar eine geringere Rendite, zugleich aber auch eine deutlich stabilere Entwicklung aufwies. Ein solcher Vergleich ist irreführend!

Um fair zu sein, müsste er auf risikogewichteter Basis erfolgen. Dennoch messen fast alle Fondsgesellschaften wie auch die meisten Einzelanleger ihre Fonds bzw. Investments permanent an Börsenindizes (Benchmarks), die einen geringeren Risikograd aufweisen. Es ist zum Beispiel gang und gäbe, dass sich deutsche Aktienfonds mit dem DAX vergleichen, obwohl sie bis zu drei Vierteln in kleinere, nicht im DAX gelistete Werte investiert sind.

Diese kleineren Aktien sind aber riskanter (volatiler) als DAX-Werte. Das Ergebnis ist ein Vergleich von Äpfel und Birnen zum Vorteil des Fonds und zum Nachteil des Anlegers.

Währungsgewinne als Fondsperformance verkaufen

Die in Euro berechnete Rendite eines nicht währungsgesicherten Auslandsfonds (das sind über 90 Prozent aller Auslandsfonds) setzt sich zusammen aus der eigentlichen Kursentwicklung des Fonds in seiner "Heimatwährung" und der Wechselkursentwicklung zwischen dieser Fondswährung und dem Euro.

Dieser Wechselkurseffekt hat natürlich nichts mit der Leistung des Fondsmanagements zu tun, er ist schlicht ein äußerer Faktor, den der Fonds als gegeben hinnimmt. Darüber hinaus hängt die konkrete Auswirkung des Wechselkurseffektes (nehmen wir an, es sei ein Gewinn) davon ab, in welcher Währung der Anleger rechnet.

Für einen Schweizer Anleger beispielsweise wird das in seiner Landeswährung zu einer anderen Fondsrendite führen als für einen Deutschen Anleger, der in Euro rechnet, obwohl beide in den gleichen Auslandsfonds investiert haben. Dennoch haben manche Fondsgesellschaften keine Skrupel, Wechselkursgewinne als "Fondsperformance" auszuweisen.

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4Jan/070

Börsenirrtum Nr. 1

Transaktionskosten sind unwichtig

Die Gesamtkosten einer langfristigen Vermögensanlage werden von den meisten Anlegern dramatisch unterschätzt. Diese Kosten können sich im besten Fall zwischen 0,3 Prozent des Anlagevolumens pro Jahr und im schlechtesten über 4 Prozent bewegen. Das gilt sowohl für Fonds- als auch für Einzelwertanleger. Manche Anleger, die viel traden, übertreffen sogar einen Wert von 4 Prozent noch beträchtlich.

Was hohe Kosten für die Wertentwicklung der Anlage bedeuten, zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel. Dabei unterstellen wir eine Bruttorendite von 12 Prozent pro Jahr vor Kosten der Anlage, einen einmaligen Anlagebetrag von 10.000 Euro und zwei alternative Fondsinvestments: Das eine verursacht Kosten von 2,0 Prozent pro Jahr (ein eher am unteren Rand des üblichen Spektrums liegender Wert), das andere von 0,3 Prozent per annum (mit den kostengünstigsten deutschen Indexfonds erreichbar).

Wertentwicklung nach 10 Jahren = 31.100 Euro vor Kosten.
Wertentwicklung nach 10 Jahren bei 2,0% Kosten p.a. = 25.900 Euro.
Wertentwicklung nach 10 Jahren bei 0,3% Kosten p.a. = 30.200 Euro.
Kostenunterschied = 4.300 Euro!

Wertentwicklung nach 20 Jahren = 96.500 Euro vor Kosten.
Wertentwicklung nach 20 Jahren bei 2,0% Kosten p.a. = 67.300 Euro.
Wertentwicklung nach 20 Jahren bei 0,3% Kosten p.a. = 91.400 Euro.
Kostenunterschied = 24.100 Euro!

Wertentwicklung nach 30 Jahren = 299.600 Euro vor Kosten.
Wertentwicklung nach 30 Jahren bei 2,0% Kosten p.a. = 174.500 Euro.
Wertentwicklung nach 30 Jahren bei 0,3% Kosten p.a. = 276.400 Euro.
Kostenunterschied = 101.900 Euro!

Die Beispielrechnung zeigt eindrucksvoll, welche krassen Unterschiede in der Wertentwicklung selbst eines kleinen Portfolios sich im langfristigen Zeitablauf ergeben, wenn die Kosten der Anlage nicht optimiert werden. Eine noch größere Differenz hätte sich ergeben, wenn wir im Falle des ersten Investments statt mit einer 2-prozentigen Kostenbelastung mit 4 Prozent gerechnet hätten, ein Wert, den - wie gesagt - viele Anleger mühelos erreichen. Für das Ausmaß dieses Unterschiedes ist der Zinseszinseffekt verantwortlich.

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