Wer erinnert sich noch an seinen legendären Flug vor 20 Jahren? Als am 28. Mai 1987 der damals 19-jährige Mathias Rust eine einmotorige Cessna 172B Skyhawk mitten in Moskau landete, nachdem er zuvor einige Runden über dem Roten Platz und dem Kreml flog. In vielen Medien ist nach wie vor von der „Landung auf dem Roten Platz“ die Rede, obwohl es diese Landung nie gegeben hat. Vielmehr landete Rust auf der Moskwa-Brücke und brachte seinen Flieger auf dem Parkplatz für Reisebusse (Wassilewski-Spusk) direkt am Roten Platz zum Stehen. Auf dem Roten Platz liefen derzeit zu viele Menschen, als das eine Landung für Rust möglich erschien.
Der Flug des deutschen Amateurpiloten zwang nicht nur den sowjetischen Verteidigungsminister (Marshal Sergey Sokolov) und den Oberbefehlshaber der Luftverteidigung (Marshal Alexander Koldunov) zum Rücktritt und vorzeitigen Abgang in den Ruhestand. Weitere neun Generäle und 298 Offiziere wurden – aufgrund dieses Ereignisses – von ihren Posten enthoben. Man munkelt hinter vorgehaltener Hand, dass sich Michail Gorbatschow durch diese Entlassungen, so einige politischer Gegner entledigen konnte.
Damals war folgender Scherz im Umlauf: „Warum ist es verboten, auf dem Roten Platz zu rauchen? Rauchen auf dem Flughafen ist verboten!“ Wie auch immer, in diesen Tagen gab der nunmehr 39-jährige Mathias Rust der Bild-Zeitung ein exklusives Interview, dabei zeiget er Einsehen: “Das war naiv, jugendlicher Idealismus.” Damals habe er ein Zeichen für Frieden und Abrüstung setzen wollen, sei aber durch die Haft “aus seiner Traumwelt” gerissen worden.
Mathias Rust wurde am 4. September 1987 in Russland zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach 14 Monaten im Moskauer Lefortowo-Gefängnis wurde er durch den ehemaligen Außenminister Andrei Gromyko begnadigt und vorzeitig aus der Haft entlassen. Rust machte erneut Schlagzeilen, weil er beim Zivildienst eine Krankenschwester niederstach. Auch später beschäftigte Rust noch die Gerichte, aber wegen Kleinigkeiten. Heute lebt er nach eigenen Angaben “die meiste Zeit in Berlin”.
Rust bleibt ein “echter” Abenteurer und verdient sein Lebensunterhalt als Profi-Poker-Spieler. Er rühmt sich, in Las Vegas schon mal 750.000 US$ in einen Poker-Turnier gewonnen zu haben. Doch er verlor den größten Teil der Summe – beim Glücksspiel im gleichen Casino. Seine Fluglizenz hat Rust damals abgeben müssen. Offenbar hat er eine neue Lizenz in Südamerika erworben. Sein letzter Flug fand angeblich im November 2006 statt.