Benzin ist kein Brot

Wer viel Sprit verbraucht, hat sich das (fast immer) so ausgesucht. Der arme Pendler aus Niederbayern kriecht jeden Morgen um fünf Uhr aus den Federn. Es dämmert erst, aber er wird eineinhalb Stunden unterwegs sein, bis er in der Firma in München ankommt. Das Auto, in das er steigt, ist schon zehn Jahre alt. Unmengen Benzin frisst es, aber ein neues kann sich der Mann nicht leisten. Arbeit in der Nähe gibt es keine, weder für ihn noch für seine Frau. Spätabends wird er, nach Überstunden und weiteren eineinhalb Stunden Fahrt, todmüde nach Hause kommen. Spaß macht ihm das alles nicht. Aber es bleibt ihm nichts anderes übrig. Ständig ist am ererbten Haus etwas kaputt, und irgendwie muss man schließlich die Familie ernähren.

Das Pendlerleben ist hart, keine Frage. Seltsam ist allerdings, wie viele arme Pendler es gibt. Hunderttausende, Millionen müssen es sein! So könnte man meinen, bei dem Gejammer um den Benzinpreis. Ein Euro fünfzig pro Liter – was für ein Wahnsinn! Das treibt uns in den Ruin! Denn wir haben, sagen die Autofahrer, ja allesamt keine Wahl. Benzin ist so notwendig wie Heizung, Brot und Milch. Das hat auch die CSU erkannt: Im Herbst sind in Bayern Landtagswahlen und so fordert man mediengerecht die Rückkehr zu alten Pendlerpauschale.

Schenken wir den armen Autofahrern eine Mitleidsminute. Aber dann schauen wir uns nüchtern an, ob sie die auch verdienen. Im Stadtverkehr von München lässt sich eindeutig sagen: Nein. Lauter arme Niederbayern in alten Autos sind es nämlich nicht, die sich Tag für Tag über den Mittleren Ring wälzen. Ebenso wenig sind es Gehbehinderte, Nachtschichtarbeiter oder Menschen, die schwere Lasten transportieren. Wer in der Stadt Auto fährt, tut das in 90 Prozent der Fälle aus freien Stücken. Weil ihm Radfahren zu anstrengend und die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zu uncool, zu intim, zu umständlich, zu rätselhaft oder sonst irgendwie unzumutbar erscheint. Die Pflege dieses privaten Spleens sei jedem Stadtbewohner unbenommen. Grund für staatliche Hilfe ist es nicht.

Womit wir bei den Landbewohnern, insbesondere den Pendlern wären. Auch unter denen sind die Mittellosen, denen das Schicksal das Leben in einer strukturschwachen Region aufgezwungen hat, in der Minderheit. Meistens ist Pendeln heute das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Man will halt lieber ein Haus mit Garten als eine Wohnung mit Balkon in der Stadt. Man wohnt halt lieber auf 120 Quadratmetern im Grünen als auf 70 Quadratmetern in mitten der Urbanität. Man kauft halt lieber im Shoppingcenter mit Parkplatz ein als beim Türken ums Eck.

Man tauscht wenig Platz und kurze Wege in der Stadt gegen mehr Platz und längere Wege am Land. Man weiß, dass es dort, wo man hinzieht, nur grottenschlechte öffentliche Verkehrsverbindungen gibt, aber das nimmt man gern in Kauf. Weil’s einem eh wurscht ist, weil man eh zwei Autos hat und weil man eh gern Auto fährt. Auch diese private Lebensstilentscheidung sei jedem unbenommen. Aber Grund für staatliche Hilfe? Ist sie nicht. Die CSU betreibt mal wieder Augenwischerei.

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