Das Bankschließfach

Fort Knox für Jedermann

Ein kleines Fach im Banktresor kann sinnvoll sein, nicht nur für Schmuckbesitzer. Welche Werte zu Hause in den Schubladen liegen, wird manchem erst klar, wenn es zu spät ist. Zum Beispiel nach einem Einbruch: Gestohlene Computer oder Fernsehgeräte machen oft nur einen Bruchteil des Schadens aus. Sind aber Wertgegenstände wie teure Schmuckstücke, Uhren oder Briefmarken weg, geht der Schaden schnell in die zigtausende. Wirklich reiche Leute bringen ihre wertvollen Geschmeide, Bargeldbündel oder Goldbarren deshalb sicher unter: Entweder im privaten Tresor hinter dem Ölgemälde oder im Schließfach einer verschwiegenen Schweizer Bank.

Doch auch für weitaus weniger betuchte Leute kann es sich durchaus lohnen, Wertgegenstände sicher aufzubewahren. Denn im Einzelfall reicht die übliche Hausratversicherung nicht aus: Bei Standardpolicen ist die Haftung für Wertsachen meist auf 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt. Ist der Hausrat mit 50.000 Euro versichert, liegt die Obergrenze für Wertsachen bei 10.000 Euro. Sollen besonders wertvolle Einzelstücke in die Hausratpolice mit aufgenommen werden, steht der Kunde vor der Wahl: Einen satten Prämienaufschlag in Kauf nehmen oder die Wertsachen in einem Tresor oder Bankschließfach aufbewahren. Gerade für handliche und sehr wertvolle Gegenstände ist das Schließfach im Banktresor der ideale Aufbewahrungsort. Doch die diskreten Fächer der Geldinstitute sind nicht nur für Meisteruhren, Gold und Diamanten geeignet. Auch Stammbücher, Versicherungspolicen, Testamente oder Unterlagen über Geheimzahlen und Passwörter können dort sicher gelagert werden.

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit betrifft Unternehmer und Freiberufler. Vor allem in kleineren Unternehmen wird nach Erkenntnis vieler EDV-Experten die Datensicherheit oft sträflich vernachlässigt. Das die Sicherungsdisketten einfach neben dem Computer abgelegt und nicht einmal räumlich getrennt aufbewahrt werden, ist in vielen Kleinbetrieben eher die Regel als die Ausnahme. Doch in solchen Fällen wird bei einem Brand oder Einbruch die Datensicherheit zur Makulatur. Nimmt der Einbrecher den PC mitsamt den herumliegenden Disketten mit, sind wichtige Kunden- und Buchhaltungsdaten mitsamt den Kopien auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Werden die Datenträger jedoch im Bankschließfach aufbewahrt, ist eine Rekonstruktion der für das Unternehmen überlebenswichtigen Daten problemlos möglich.

Der Zugang zum Bankschließfach erfolgt auf unterschiedliche Weise, abhängig davon, ob die Bank ein manuelles oder elektronisches Tresorsystem hat. Beim manuellen system wird der Kunde nach der Identitätsprüfung von einem Mitarbeiter begleitet, der den Tresorraum aufschließt. Mit seinem eigenen Schlüsse muss dann der Kunde sein Fach öffnen. Bei elektronischen Zugangssystemen braucht der Kunde Chipkarte, Geheimzahl und Fachschlüssel, um an den Inhalt zu gelangen. Um Personal zu sparen, rüsten immer mehr Banken ihre manuellen Schließanlagen auf elektronische Systeme um.

Was im Schließfach wirklich drin ist, das weiß nur der Nutzer. Für den recht unwahrscheinlichen Fall eines Bankraubs oder eines Brands sollte er daher ein Verzeichnis mit allen im Schließfach deponierten Gegenständen und Dokumenten anfertigen. Bei Wertgegenständen sollten idealerweise eine Expertise und ein Foto vorliegen. So kann die Versicherung der Bank im Schadensfall Ersatz leisten, wenn im Mietpreis eine Standardversicherung enthalten ist. Ist der Wert der im Schließfach deponierten Gegenstände höher als die Versicherungssumme der Bank, empfiehlt sich eine Extrapolice.

Ganz unabhängig davon, ob und in welcher Höhe die Bank eine Versicherung dieses Inhalts anbietet, haftet sie bei Fahrlässigkeit ihrer eigenen Mitarbeiter. Weil die Bank mit dem Schließfach-Mietvertrag Wertgegenstände des Kunden in ihrer Obhut nimmt, muss sie auch für die entsprechende Sicherheit sorgen. Geht ein Bankmitarbeiter etwa leichtfertig mit der Sicherheit des Tresors um, haftet die Bank in unbegrenzter Höhe.

Das die Nachfrage nach Bankschließfächer groß ist, zeigen die Belegungskarteien der Banken. Bei einigen Instituten gib es sogar Wartelisten für bevorzugte Größen. Trotzdem: Ein Preisvergleich der Angebote lohnt sich. Die Mitpreise schwanken je nach Institut stark. Bei größeren Bankschließfächern lassen sich mit der Wahl eines günstigen Anbieters unter Umständen dreistellige Summen pro Jahr sparen. Sparen kann auch, wer die Safe-Miete von der Steuer absetzt. Doch das geht nur, wenn dort Wertpapiere lagern, deren Erträge auch versteuert werden.

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