Thomas Kristan Das Risiko zu scheitern ist nicht größer als die Chance zu gewinnen!

29Jan/090

Rechenkünste einer Kanzlerin

Unsere Bundeskanzlerin hat sich bedenklich weit aus dem Fenster gelehnt mit ihrer Behauptung, die Regierung habe den Erblastentilgungsfonds mit den gigantischen Schulden der DDR fast vollständig „getilgt“. Entweder hat Angela Merkel keine Ahnung oder sie will uns Bürger auf den Arm nehmen. Jedenfalls kann von vollständiger Tilgung keine Rede sein.

Im Erblastentilgungsfonds hatte der Bund einst die riesigen Schulden der DDR eingestellt - immerhin 171 Milliarden Euro. In der Tat sind offiziell nur noch ein paar Milliönchen Verbindlichkeiten übrig. Nur: Getilgt, wie die Kanzlerin tönte, wurde das wenigste. Vielmehr wurde der größte Teil schlicht umgeschuldet und in den großen Schuldentopf des Bundes eingerührt. Gute Nacht Deutschland, wenn die eigene Regierungs-Chefin den Unterschied zwischen Tilgung und Umschuldung nicht kennt.

Das Peinlichste: Angela Merkel nimmt die „Tilgung“ der DDR-Schulden als Beweis dafür, dass die Bundesregierung entsprechend auch die neuen Schulden für das Konjunkturpaket II zuverlässig tilgen wird. Da kann einem für die Zukunft angst und bange werden.

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24Jan/090

Gier, Crash und Tulpen

In der Wirtschaft gibt es nicht nur erfolgreiche Investments und Gewinne, sondern eben auch die Kehrseite wie Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit und Armut. Das Kapital wird von Menschen gehalten, in Folge kann es keinen perfekten Markt geben. Crash und Krisen sind allerdings kein Phänomen der Gegenwart: Bereits im Florenz des 14. Jahrhunderts scheiterten reihenweise Bankiers im Kreditgeschäft, weil sie die Bonität der Schuldner nicht ausreichend prüften. Im 17. Jahrhundert platzte in Holland eine Spekulations-Blase der besonderen Art und auf einen Tulpen-Boom folgte die Tulpen-Krise.

Die zu Anfang sehr seltene Tulpen-Zwiebel wurde praktisch kaum gehandelt und in den Gärten der Reichen kultiviert, weit weg vom gemeinen Volke. Nur unter seinesgleichen zeigte man sich angeberisch mit den edlen Blumen. Die Tulpe als Statussymbol, nicht viel anders als heute, nur heißen die Kultobjekte jetzt iPhone oder iPad. In den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts änderte sich das und die Tulpenzwiebel wurde zum Spekulationsobjekt. Gehandelt wurde das edle Gut zunächst weniger an der Börse als viel mehr in Wirtshäusern. 1623 kostete die damals beliebteste Sorte, Semper Augustus, 1200 Gulden. Zum Vergleich: Ein fleißiger Handwerker verdiente im Jahr 300 Gulden, ein erfolgreicher Kaufmann gut und gerne 20.000 Gulden.

Zehn Jahre Später war Holland ein Land voller Tulpenzüchter. Und Spekulanten, die sogar mit Optionen auf die nächste Tulpen-Ernte handelten. Noch stieg die Nachfrage schneller als das Angebot und die Spekulation befeuerte sich selbst. Ganze Häuser wurden gegen eine Zwiebel getauscht und der Terminmarkt begann ein Eigenleben zu entwickeln, losgelöst vom physischen Markt. Woher kommt uns das nur bekannt vor?

1636 wurde eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus, in der Spitze, zum Preis von 10.000 Gulden gehandelt. Man erinnere sich noch einmal an die zuvor beschriebenen Einkommensverhältnisse: Das halbe Jahreseinkommen eines guten Kaufmanns für eine einzige Zwiebel. Der Crash kam im Februar 1637, als der Handel – ohne nachvollziehbare Erklärung – zu stocken begann. Die Händler gerieten in Panik, die Käufer hielten sich schlagartig zurück und ein Überangebot an Zwiebeln ließ die Preise nach kurzer Zeit um 95 Prozent einbrechen.

Die neu entstandene Züchtergilde musste zum Großteil in die alten Berufe zurück und viele Bürger hatten ihr gesamtes Vermögen verloren. Im Wirtschaftsleben kam es zu einer lang anhaltenden Vertrauenskrise. Die Niederlande hat die Tulpenmanie verkraftet, das Land hat sich zu einer erfolgreichen Wirtschaftsnation entwickelt. Und sogar das Klischee der Tulpennation ist bis heute geblieben, in der Tat werden in Holland etwa 80 Prozent aller Tulpenpflanzen innerhalb Europas kultiviert.

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22Jan/090

Gold gab ich für Eisen

Um den Krieg gegen Napoleon zu finanzieren apellierte Prinzessin Marianne im Jahre 1813 an alle Frauen in Preußen, ihre Eheringe aus Gold gegen solche aus Eisen einzutauschen – mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“. 1914 tauschten unsere Urgroßeltern schon nicht mehr so ganz freiwillig Geld und Gold gegen Staatsanleihen - die schnell zu Asche zerfielen. Es folgte eine Hyperinflation, die Papiergeld so wertlos machte wie die Zeitung von gestern.

Der Blick auf jene düsteren Zeiten relativiert unser Kriesengerede von heute. Wie viele Tränen sind schon zwei Prozent negatives Wirtschaftswachstum wert? Bisher sind Krisensitzungen, schnell aufgespannte Rettungsschirme, bunt gezimmerte Konjunkturpakete und eine monströse Staatsverschuldung eher Thema für nette Talkrunden bei Anne Will oder Maybrit Illner.

Gold gab ich für Eisen

Aber was passiert wirklich mit unserem Geld, wenn die Staatsverschuldung in nie da gewesene Dimensionen ansteigt? Noch freuen wir uns über sinkende Preise für Energie und Lebensmittel. Faktisch eine Deflation. Am langen Ende wird sich die Staatsverschuldung allerdings nur noch durch Geldentwertung vermindern. Was jetzt kurzfristig und mit aller Macht an frischer Liquidität in die Märkte gepumpt wird, bildet den Grundstein für eine massive Inflation.

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20Jan/090

Abwrackprämie

Noch ein Nachschlag zum Thema: Für ein Kind gibt es 100 Euro, für ein altes Auto 2500 Euro. Das zeigt, wie zukunftsorientiert und sozial in unserem Land gehandelt wird. Dabei steht die deutsche Autoindustrie nicht mit leeren Händen da. Derzeit findet in Detroit eine internationale Autoshow statt und Deutschland demonstriert was heute möglich ist. Ganz gleich ob Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen, die Botschaft ist eindeutig: Sparen macht Spaß. Und ganz offenbar kommt der Slogan beim amerikanischen Publikum an.

Weniger Spritt verbrauchen und nicht wie ein Sparmobil aussehen. Zum Beispiel die neue E-Klasse (obwohl in Detroit noch nicht offiziell ausgestellt): Bei den Benzinern verspricht Mercedes dank Direkteinspritzung und Motoren mit geringerem Hubraum einen um 20 Prozent niedrigeren Verbrauch als beim Vorgängermodell. Ein sauberer Dieselmotor mit 170 PS Leistung begnügt sich mit Durchschnittsverbräuchen schon ab 5,5 Liter pro 100 Kilometer. Ähnliche Leistungen vollbringen alle deutschen Hersteller.

In den USA kann keiner der drei großen Autobauer mit Deutschland gleichziehen. Nun soll ausgerechnet Fiat mit einer 35-Prozent-Beteiligung dem Chrysler-Konzern aus der Patsche helfen. Dabei wendet Fiat keinen einzigen Cent auf. Kommt die Allianz tatsächlich zustande würde Fiat ausschließlich strategische Assets einbringen: So ist es vorgesehen, dass Chrysler durch die Zusammenarbeit mit Fiat Zugang zu wettbewerbsfähigen, spritsparenden Fahrzeugplattformen, Motoren und Komponenten erhält.

In der Autobranche wird sich noch sehr viel tun. Da wirkt die Abwrackprämie wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Bestenfalls ein psychologisches Mittel um die Ausmaße der anstehenden Umbrüche zu verdecken. Die Autobauer in der ganzen Welt müssen konsolidieren und Überkapazitäten abbauen. Das gilt auch für Deutschland, wo jeder siebte Arbeitsplatz am Autobau hängt. Nach Mercedes schickt nun auch BMW und Volkswagen seine Mitarbeiter reihenweise in die Kurzarbeit.

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19Jan/090

Abwrackprämie

Ich denke, man muss kein besonderer Hellseher sein um zu erkennen, das sich ein Begriff aus der heiligen Seefahrt zum Wort des Jahres 2009 entwickeln könnte. Die Abwrackprämie. Ab sofort schüttet unsere Bundesregierung pauschal 2500 Euro beim Neuwagenkauf aus. Vorausgesetzt: Man verschrottet seinen mindestens neun Jahre alten Vorgänger. Nun ja, 2500 Euro sind immerhin 10% des Kaufpreises für einen nagelneuen VW Golf. Oder sagenhafte 33 Prozent für einen robusten Dacia Sandero aus rumänischer Produktion. Bei der Abwrackprämie handelt es sich in erster Linie um Trennungsschmerzensgeld für das geliebte Altauto.

Doch die Abwrackprämie beschreibt vielmehr. Ich meine, was sind schon Worthülsen wie Bürgschaft, Finanzspritze oder Beteiligung in der maroden Bankenwelt? Wäre das Wort Abwrackprämie nicht wesentlich ehrlicher? Experten und Insider schätzen, das hierzlande bisher nur ein Bruchteil an wertlosen Zertifikaten aus US-Immobiliengeschäfte abgeschrieben wurden. Mit anderen Worten: In deutschen Bankbilanzen lauern noch einmal 1000 Milliarden Euro auf Abwrackung, äh Abschreibung. Da kommt noch etwas ganz gewaltiges auf uns Steuerzahler zu.

Deshalb würde ich mich an Eurer Stelle beeilen. Berlin hat die Abwrackprämie beim Neuwagenkauf nicht nur zeitlich sondern auch nominal begrenzt. Die Kohle reicht für knapp 600.000 neue Autos. Und wer zuerst kommt, der mahlt zuerst. Die Prämie muss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragt werden. Übrigens: Wer sich einen neuen Dacia zulegen möchte, dem wird der ganze Behördenkram vom Händler abgenommen.

P.S.

Die Prämie erhält nur, wer ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet, das zumindest ein Jahr in seinem Besitz war, und dafür einen Neu- oder Jahreswagen kauft. Der alte Wagen muss also erstmals vor dem 14.01.00 zugelassen worden sein. Stichtag für den Kauf und die Zulassung des Neuwagens oder Jahreswagens ist der 14.01.09. Außerdem muss der Neuwagen mindestens die Euro-IV-Norm für den Schadstoffausstoß erfüllen. Die Laufzeit endet am 31.12. dieses Jahres.

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