Wie uns die Russen sehen

Unser Deutschland erscheint vielen Russen als das ideale Land, in dem es ordentlich und sauber zugeht. Kein Wunder, müssen doch viele Menschen in Russland tagtäglich um ihr Überleben kämpfen: „Du hast eine Krankenkasse, eine freundliche Polizei, gepflegte Städte, ein schnuckeliges Einfamilien-Häuschen und eine freie Autobahn … so glatt wie die Haut einer jungen Russin. So ist Dein Deutschland!“

Wer als Deutscher in Russland weder ein eigenes Auto noch ein Foto von einem Haus in Deutschland vorzeigen kann, dem traut man nicht, der hält etwas verborgen. Denn alle Russen wissen ganz genau, dass alle Deutschen ein Haus und mindestens ein Auto haben. Selbst die Rentner haben viel Geld. Schließlich sieht man, wie sich deutsche Rentner in Luxusbussen durch Moskau oder St. Petersburg kutschieren lassen.

Eine „Business“ mit einem Deutschen ist für russische Unternehmer der Traum schlechthin. Wer sich nicht auf die Brüderschaft einlassen will, erntet nur Kopfschütteln: „Wir gehören zusammen, wir sind doch natürliche Partner. Wir haben die Rohstoffe und Ihr die Technologie.“ So oder ähnlich bekomme ich es immer wieder zu hören.

Bei mir, der in Russland schon mal zu spät kommt, wird gefrotzelt: „Ich denke ihr Deutschen seit alle pünktlich?“ Vollkommen unverständlich ist den Russen bis heute die deutsche Sparsamkeit, bei manchen auch als „Schadnost“ (Geiz) verschrien. Dass in einem deutschen Kühlschrank schon mal etwas steht, auf das nur eine Person Zugriffsrecht hat, ist für einen Russen fast so schlimm wie Folter. Lieber ein kurzes Leben mit Teilen und Genuss als ein Langes mit Haushaltsbuch und elender Sparsamkeit.

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