Mein erstes Auto von Matchbox war ein Polizeiwagen. Ein grün-weiß lackierter Mercedes mit zwei Blaulichtern und Doppel-Martinshorn auf dem Dach. Mein Polizeiwagen war immer das schnellste Fahrzeug und konnte jedes andere Auto von Matchbox oder Siku stoppen. Gleich ob Porsche oder Ferrari. So einfach war das damals, vor rund vierzig Jahren.
Vor knapp einen Monat wurde bei der Kreispolizeibehörde Mettmann ein neues Polizeifahrzeug in Dienst gestellt: Eine dreirädrige Piaggio „Biene“ aus Italien mit Zweitaktmotor (knapp 10 PS, 60 km/h) und polizeilicher Sonderausstattung. Mit einen winzigen Wendekreis sowie einer Nutzlast im Kastenaufbau von über 700 kg, eignet sich dieses Spezialfahrzeug besonders gut zum “innerbehördlichen” Transport von Versorgungsgütern. Soweit die Polizeibehörde in Mettmann. Und: Zum vollwertigen Streifenfahrzeug durfte da natürlich auch ein großes Blaulicht mit Martinshorn nicht fehlen.
Soll noch mal einer behaupten, wir Deutschen haben keinen Humor. Keinen Spaß hingegen verstehen die Amerikaner und seit den Anschlägen vom 9. September 2001 wird der Heimatschutz bekanntlich völlig neu definiert. Daher ist es keine große Überraschung, wenn in den USA das weltweit erste speziell entwickelte Polizeifahrzeug vermarktet wird: Der Carbon E7, entwickelt von Polizisten, für Polizisten. Jedenfalls macht die Webseite der Carbon Motors Corporation so einiges her. Lobbyarbeit pur. Will Piaggio seinen „Logistikroller“ nicht nur als Einzelstück in Mettmann loswerden, sollte sich der italienische Rollerbauer hier mal umsehen: www.carbonmotors.com
Das Polizeifahrzeug der neuesten Generation hat eine gewisse Verwandschaft mit KITT, dem sprechenden Superauto aus der TV-Kultserie Knight Rider mit David Hasselhoff in der Hauptrolle. Zumindest läßt sich per Sprachbefehl das Blaulicht einschalten. In den Außenspiegel ist ein Videosystem mit 360° Rundumsicht integriert. Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über ein Nachtsichtsystem. Bei Bedarf bietet der Hersteller einen Computer für die automatische Nummernschild-Erkennung an. Head-Up-Display, Scheinwerfer mit Richtungssteuerung, Nacht- bzw. Notbeleuchtung und Spezialsitze (damit z.B. die Knarre beim Sitzen nicht drückt) sind selbstvertändlich neuer Standard. Die ferngesteuerte Startautomatik und eine elektronische Anfahrhilfe beschleunigen bei Bedarf den akuten Einsatz. Staufächer und Ablagen in greifweite gibt es nicht nur für Kaffeebecher, sondern auch für Maschinenpistolen.
Die Karosserie besteht aus Aluminium und glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Heck kann Aufpraller bis 120 km/h absorbieren und so den Fahrer vor schweren Verletzungen schützen. Im Umkehrschluss ist die bullige Front für wirkungsvolle Rammstöße ausgelegt. Das ganze Design hat eine klare martialische Ausrichtung. Nicht zuletzt verstärken die rundum eingebauten Lichter und LEDs den Eindruck: Hier kommt die Polizei! Damit nicht genug. Der Hersteller verspricht gegen Aufpreis ballistischen Schutz und Mechanismen zur Abwehr von chemischen und biologischen Angriffen. Statt – wie in den USA üblich – auf Benzin setzt man auf einen 300 PS starken Turbodiesel, der das Fahrzeug in 7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen kann. Das gewaltige Polizeiauto macht 250 km/h Spitze und wiegt mindesten 1,8 Tonnen.
Der hintere Fahrgastraum ist für die spezielle Kundenschaft der Polizei ausgelegt. Das beginnt mit den Türen, die entgegen der Fahrtrichtung aufschlagen. Das erleichtert den Einstieg in Handschellen. Diesen Komfort gibt es bestenfalls noch im Rolls Royce oder Maybach. Ähnlich wie in der automobilen Luxusklasse sind die Gäste im Fond hermetisch vom Fahrer abgeriegelt, mit einen Unterschied: Die Audio- und Videoüberwachung erfolgt vom Cockpit aus. Ein weiteres Detail erfüllt die Grundbedürfnisse der speziellen Kundschaft. Der gesamte hintere Fahrgastraum ist mit leicht abwaschbaren Kunststoff ausgekleidet. So lassen sich körperliche Ausscheidungen, ein Wasserschlauch genügt, schnell und einfach beseitigen.
Die Carbon Motors Corporation weiß ziemlich genau, was Amerikas Polizei in Zukonft benötigt. Schließlich haben Terroristen und Kriminelle schon heute Zugang zu Fahrzeugen, Waffen und Technologien, die der Polizei oftmals überlegen sind. Wie einfach eine Geschäftsidee ausgeschmückt werden kann. Und die Webseite von Carbon Motors strotzt nur so vor Patriotismus. Das kann jeder für sich selbst nachlesen.
Amerikas Superpolizeiauto soll Beamte besser schützen und deren Produktivität steigern. Und das neue Polizeiauto soll helfen den Steuerzahler zu entlasten. Der Hersteller verspricht weniger Kraftstoff, weniger Wartung und längere Lebensdauer (minimum 400.000 km) als das ein zum Polizeiwagen umgenbautes Serienfahrzeug leisten kann. Trotzdem schweigt sich die Carbon Motors Corporation über eine Kleinigkeit derzeit noch aus: Der Kaufpreis für ein Polizeiwagen des 21. Jahrhunderts. Hierbei, so denke ich, dürfte Piaggio seinen klaren Wettbewerbsvorteil haben.










