Das haben sich die Milchbauern wirklich clever abgeschaut: Um einen höheren Milchpreis zu erzwingen, gossen dieser Tage viele Bauern solidarisch ihre frische Milch in die „Gosse“. Nun steigt der Milchpreis und alle sind zufrieden. Sogar wir Milchtrinker finden das in Ordnung. Araber und Russen arbeiten schon über viele Monate hinweg mit dieser Masche aus der kapitalistischen Trickkiste: Sie halten den Rohstoff knapp.

Es ist noch nicht so lange her, da habe ich an anderer Stelle einen Ölpreis von 200 US$ je Fass prognostiziert. Schöne Scheiße: Am Freitag hat in New York der Preis für ein Barrel Rohöl erstmals die Marke von 139 US$ durchbrochen (139,15 US$ für die Sorte West Texas Intermediate). Alleine am vergangenen Donnerstag und Freitag schnellte der Ölpreis um 16 US$ in die Höhe. Die Begründungen sind immer die gleichen: Ein schwacher US-Dollar (Zinserhöhung im Euro-Raum) oder das Säbelrasseln im Nahen Osten (Israel und Iran). Ich muss kein Hellseher sein, um einen Preis von über 150 US$ bis Ende Juli zu befürchten. Die Öl-Nachfrage aus China und Indien bleibt ungebrochen und die Ölproduzenten können und wollen ihre Fördermengen nicht erhöhen. Am Golf und in Russland reibt man sich die Hände: Bis zum Jahresende steht der Preis von 200 US$ je Barrel!

Nun wird der Gaspreis explosionsartig nachziehen! Schließlich ist der Gaspreis sinnigerweise am Preisverlauf für Erdöl gekoppelt. Satte Preiserhöhungen von locker 40 bis 50 Prozent flattern den Endverbrauchern bis zum Jahresende ins Haus. Gnadenlos. Aber nur keine Sorge, unser Wirtschaftsminister wird den Preisanstieg ganz sicher durch die Kartellbehördern prüfen lassen. Cent für Cent. Nun ja, genauso gnadenlos und noch weitaus ratloser reagieren eben unsere Politiker. In den Medien wird ganz einfach die übliche Rhetorik abgespielt: Neue technische Entwicklungen vorantreiben und große Konferenzen einberufen. Mein Gott, fehlen in Berlin schon mal die Rezepte für eine vernünftige Gesundheitspolitik, so steht unser Regierung den explodierenden Energiepreisen vollkommen machtlos gegenüber.

So viele Windmühlen kann man in Deutschland nicht aufstellen, um eine Wende im Energiemix zu erreichen. Dabei werden alternative Energien mit massiven Mitteln subventioniert und ganz simpel über den Strompreis an uns Verbraucher weitergereicht. Ich persönlich halte die Windkraft und Solarenergie für extrem teure Spielerei. Selbstverständlich, besser als nichts zu machen ist das allemal und schließlich hat die „neue“ Branche auch ein paar Tausend Arbeitsplätze hervorgebracht. Bei allem Wohlwollen für alternative Energie: Was passiert eigentlich, wenn in Deutschland nach und nach die Atomkraftwerke abgeschaltet werden? Nun bin ich echt kein Verfechter der Atomkraft (Tschernobyl lässt grüßen), nur wo findet dann die Kompensation für die ausfallende Grundlast statt? Gigantische Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke?

Den Preisanstieg für ein knappes Gut können wir nicht aufhalten und so ergibt sich aus meiner Sicht nur ein einziger Ausweg: Der effiziente Umgang mit Energie. So zum Beispiel die lokale Kraft-Wärme-Kopplung als Alternative zu zentralen Großkraftwerken. Logisch, dass sich die hiesigen Energiekonzerne dagegen sperren. Mehr noch, diese Forderung bleibt ein Wunschtraum, solange ehemaliger Politiker eine zweite Karriere in der Energiewirtschaft starten. Verbrauchsoptimierte Fahrzeuge, effiziente Maschinen und Geräte. Eine umfassende Gebäudesanierung. Nur, um das alles zu fördern wäre wiederum ein radikales Umdenken in unserer Steuerpolitik notwendig, die nächste Unmöglichkeit in der Politik. Ein 300 PS Geschäftsauto spart nun mal wesentlich mehr Steuern als ein „vernünftiges“ Fortbewegungsmittel. Gewollte und tiefgreifende Abschreibungsmöglichkeiten könnten einen echten Boom in der Gebäudesanierung und damit in der Bauwirtschaft auslösen.

Die Politik ist ohne Lösungen und gaukelt uns Visionen vor. Das wird unsere Gesellschaft zunehmend radikalisieren. Steigende Preise für Energie und Lebensmittel sorgen in der Bevölkerung schon heute für Unmut und treiben Bauernfänger wie „Gregor“ und „Oskar“ von der SED (alias PDS, alias Die Linke) in unsere Parlamente. Armes, armes Deutschland! Hoffentlich werden wir zumindest Fußballmeister in der EM 2008. Obwohl: Als könnten wir uns davon etwas kaufen.

(Thomas Kristan, Juni 2008)