Börsenirrtum Nr. 3
Analysten machen nur richtige Prognosen
Die Medien sind voll davon: Finanzprognosen. Eine verwirrende Fülle solcher Prognosen für Aktienkurse, Wertpapierindizes, für Zinsen, Devisenkurse, Unternehmensgewinne, Arbeitslosenquoten, Inflations- und Wachstumsraten ergießt sich tagtäglich über die Anlegerschaft. Viele dieser Prognosen stammen von hoch renommierten Wirtschaftsexperten, weltweit bekannten Ökonomen und Analysten oder großen, angesehenen Banken. Die meisten Anleger orientieren sich an diesen Prognosen, in der an sich plausiblen Annahme, dass die Experten "es ja wissen müssen".
So überraschend es klingen mag: Die Erfolgsbilanz all dieser Prognosen ist geradezu katastrophal. In seinem Buch "The Fortune Sellers" beschreibt William Sherden dieses Versagen auf der ganzen Linie anhand einer Fülle von Beispielen, die überwiegend, aber nicht ausschließlich dem Finanzbereich entspringen. Die Finanzwissenschaft ist sich darüber einig, dass es nicht möglich ist, systematisch ausbeutbare Prognosen für einzelne Wertpapiere oder auch für ganze Marktsegmente zu erstellen. Warum ist dieser Umstand den Anlegern nicht allgemein bekannt?
- Praktisch alle Prognostiker vermarkten ihre richtigen Prognosen weithin, lassen aber die falschen stillschweigend unter den Tisch fallen.
- Viele Prognosen sind so ungenau, dass sie zwar irgendwann eintreffen, aber von vornherein nicht zur Grundlage einer Investitionsentscheidung taugen (zum Beispiel Kurszielprognosen ohne genaue Angabe eines Zeitpunktes).
- Falsche Prognosen werden kurzerhand "revidiert", also durch neue Vorhersagen ersetzt.
- Und schließlich glauben viele Anleger, die Experten müssten doch ganz einfach einen Wissensvorsprung vor den Laien haben, da dies ja auf den meisten anderen Fachgebieten des Lebens auch der Fall sei - eine verständliche, aber unrichtige Annahme.











