Das Schwarze Loch
Mit einer 27 Kilometer langen Teilchenkanone sollte bei Genf der Urknall simuliert werden. Der Urknall im Labor hat nur wenig mehr Energie als zwei kollidierende Mücken. Doch zusammengepfercht auf ein Billionstel der Größe einer Mücke entfacht sich eine Höllenglut, die Forscher so dicht an die Geburt des Kosmos heranführen soll wie nie zuvor. Anhänger von diffusen Verschwörungen sehen einen direkten Zusammenhang mit dem Experiment und der Finanzkrise.
Aber ernsthaft:
Die Finanzkrise bricht den Börsen das Genick: Heute wurde die Börse in Moskau erneut geschlossen, gleich mal bis einschließlich Freitag. In den ersten Handelsminuten verlor hier der Index locker 15 Prozent. Weltweit gehen die Börsen massiv auf Talfahrt. Ich weiß nicht, aber wer in dieser Woche seine Wertpapiere auf den Markt wirft, muss die letzen Wochen und Monate ziemlich verpennt haben. Der Wert für russische Aktien hat sich in den letzten Handelstagen praktisch halbiert. Am Donnerstag stand der Index auf 1830 Punkte – heute wurde der Handel bei 1080 Punkten ausgesetzt. Vor sechs Monaten lag der Index noch bei 3700 Punkten!
Nun laufen die Börsen weltweit aus dem Ruder. Aber was sich in Moskau abgespielt hat ist kein Vergleich zu Frankfurt, London oder New York. Im Mai 2008 lag der DAX bei 7200 Punkten und heute wurde die 5000-Punkte-Marke nach unten durchbrochen. Würde man das Moskauer Szenario auf den DAX übertragen – der Dax würde heute bei 2000 Punkten stehen. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir solche Marken noch. Ich glaube es allerdings nicht. Alles Psychologie: Den Russen steckt noch die Finanzkrise von 1998 in den Knochen. Die Aktienkultur im Westen ist doch schon etwas älter. Allerdings verhalten sich die westlichen Anleger in diesen Tagen kaum weniger panikartig. Erfahrung hin oder her.
Wir werden wohl in den wichtigsten westlichen Industrieländern eine Rezession nicht mehr vermeiden können. Das gilt insbesondere für Deutschland, wir sind eine große Exportnation mit relativ schwacher Binnennachfrage. Die Kreditklemme aus den USA ist in Europa angekommen. Die Regierungen in Europa und in den USA bemühen sich allerdings um substanzielle Hilfen. Es braucht Zeit bis die Dinge wirken auch wenn sich die Finanzmärkte kurzfristig bewegen können. Genauso wie heute die Aktien nach unten sausen, werden sich die Märkte wieder erholen.
Ich halte es wie André Kostolany: Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.











