Thomas Kristan Das Risiko zu scheitern ist nicht größer als die Chance zu gewinnen!

14Jun/080

Der globale Konflikt des 21. Jahrhunderts

Der Kampf um sauberes Trinkwasser wird die Geschichte des 21. Jahrhunderts entscheidend prägen. Bereits heute leben zwei Milliarden Menschen ohne ausreichende Trinkwasserversorgung.

Die Geschichte der Menschheit ist seit jeher von Konflikten geprägt. Dazu gehörten Glaubenskriege wie die des Mittelalter, Kämpfe um Kolonien wie im Zeitalter des Imperialismus oder heutzutage der Wettlauf um knapper werdende Ressourcen wie das Erdöl. Noch wird um das „schwarze Gold" auf diplomatischer und wirtschaftlicher Ebene gerungen. Wie sich dieser Konflikt jedoch schnell zuspitzen kann, wenn einzelnen Ländern der Zugang zum Öl verwehrt wird, zeigen die Kriege und Auseinandersetzungen am Persischen Golf. Deshalb lässt sich schon heute mit Sicherheit sagen, dass nur neue Technologien, die eine Substitution des Erdöls versprechen, auf Dauer eine friedliche Lösung garantieren.

Wachsender Durst nach Wasser

Dieses Szenario lässt sich auf eine andere, lebenswichtige Ressource übertragen, deren wahrer Wert heute noch gar nicht überall richtig wahrgenommen wird - vor allem nicht in den Industrieländern. Die Rede ist von sauberem Trinkwasser. Man muss kein Prophet sein, um die damit verbundenen Konfliktpotenziale zu erkennen. Bereits im „Internationalen Jahr des Wassers" kam die UNO 2003 in ihrem Wasser-Entwicklungs-Bericht zu einer alarmierenden Analyse: Im letzten Jahrhundert hat sich der Bedarf an Süßwasser versechsfacht. Die Gründe für diese Nachfrageexplosion sind vielfältig. Das Bevölkerungswachstum ist zweifellos eine der stärksten Triebfedern dieser Entwicklung. Da der Wasserbedarf inzwischen aber doppelt so schnell steigt wie die Weltbevölkerung wächst, spielen auch andere Gründe eine Rolle. Nur 9% des Wasserverbrauchs gehen heute auf das Konto der privaten Haushalte. Den Löwenanteil von 71% verschlingt dagegen nach Angaben des Informationsdienstes Global Water Intelligente allein die Landwirtschaft; und die restlichen 20% werden von der Industrie beansprucht - Tendenz steigend. Dabei haben die immer intensivere Bewirtschaftung von Ackerflächen und der weltweit gestiegene Pro-Kopf-Verbrauch den ohnehin schon hohen Bedarf in den letzten zwei Jahrzehnten noch einmal nach oben schnellen lassen.

Was ebenfalls nur zu gerne vergessen wird: Die Ressource Wasser ist endlich. Der wachsenden Nachfrage steht ein nur relativ geringes Reservoir an direkt zugänglichem Trinkwasser gegenüber. Zwar ist die Erde zu 70% mit Wasser bedeckt, jedoch sind 97,5% davon Salzwasser. Von den restlichen 2,5% Süßwasser sind wiederum zwei Drittel an den Polkappen oder im Erdboden gebunden. Somit stehen rechnerisch weniger als 1% des weltweiten Wasservolumens als Trinkwasserquelle zur Verfügung. Verschlimmert wird die Situation durch die Verschmutzung des Grundwassers und der Flüsse durch Gifte und Industrieabfälle. So wird das Wasser jährlich mit mutmaßlich 300 bis 500 Millionen Tonnen Schwermetallen, Giften und anderen Schadstoffen belastet. Die globale Erwärmung tut ein Übriges. Laut UNO-Angaben gehen Jahr für Jahr durch Wüstenbildung 10 Millionen Hektar Land verloren - das ist mehr als die Fläche der fünf neuen Bundesländer zusammen. Gerade im Nahen Osten und in Afrika wachsen die Wüsten bedrohlich. Ein stetig steigender Bedarf trifft somit auf ein stagnierendes bis rückläufiges Angebot.

Die negativen Folgen sind schon heute zu spüren. So leben nach neuesten UN-Studien zwei Milliarden Menschen ohne ausreichende Wasserversorgung. Fünf Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von Wassermangel und Wasserverschmutzung. In Afrika führt die Wüstenbildung und der damit verbundene Wassermangel bereits zu Flüchtlingsbewegungen und politischer Destabilisierung. Neben Afrika ist vor allem der Nahe Osten betroffen, wo Wasser nach Meinung vieler Orientexperten zum wertvollsten Wirtschaftsgut aufsteigen wird. Bereits jetzt blüht dort ein schwungvoller Handel mit dem kostbaren Nass.

Süßwasser kann nur durch Regen neu entstehen. Die jährliche Niederschlagsrnenge beträgt weltweit 34.000 Kubikkilometer oder 0,007% des globalen Wasserkreislaufs. Davon wiederum ist nur jener Teil nutzbar, der über den Kontinenten fällt. Da aber heute viel mehr Wasser entnommen wird, als sich durch Niederschläge neu sammeln kann, sinkt vielerorts der Grundwasserspiegel rapide. In Saudi-Arabien beispielsweise werden pro Kopf und Jahr 1.056 cbm Grundwasser entnommen, während sich nur 110,6 cbm - also kaum mehr als ein Zehntel - neu bilden. Ähnlich dramatisch sieht es in Libyen (870 cbm zu 108,5 cbm) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (896 cbm zu 55,5 cbm) aus.

Zahlreiche Länder des Nahen Ostens sind daher schon heute massiv von Landwirtschaftsimporten abhängig: So kauft Saudi-Arabien die Hälfte, Israel 87% und Jordanien sogar 91% des Getreides im Ausland ein. Allerdings sind nicht nur Afrika und der Nahe Osten von der Wasserproblematik betroffen. Auch China, wo gut 20% der Weltbevölkerung lediglich 6% der Wasserressourcen zur Verfügung stehen, muss sich bald der Herausforderung stellen. Zumal sich 80% der chinesischen Wasserressourcen rund um den Jangtse im Süden des Landes befinden, der größere Teil der Bevölkerung aber im Norden Chinas lebt. Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die boomende Wirtschaft ist von der ansteigenden Wasserknappheit betroffen: Fachleute schätzen, dass der Wassermangel die chinesische Wirtschaft jährlich knapp 25 Milliarden Dollar kostet.

Der Wassermangel wirkt sich auch direkt auf den steigenden Bedarf an abgefülltem Wasser aus. Während man bei uns zwischen Leitungs- und Mineralwasser wählen kann, sind Wasserflaschen in vielen Entwicklungsländern oft die einzige Quelle - trotz teilweise horrender Preise. In vielen Ländern hat eine langfristige Misswirtschaft im Wassersektor dazu geführt, dass auch in weniger akut bedrohten Regionen nicht genügend sauberes Wasser für die Bevölkerung zur Verfügung steht. So können in den wohlhabenden Gegenden von Mexico City die Bewohner nahezu kostenlos ihren Garten bewässern, während den Stadtwerken das Geld fehlt, um Wasserleitungen in die ärmeren Vorstädte zu legen. Sollten die beschriebenen Probleme nicht in absehbarer Zeit gelöst werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich daraus handfeste Konflikte entwickeln. Noch verlaufen die Konfliktlinien, wie in Mexico City, in einer begrenzten Region und nicht zwischen zwei Staaten. Da viele Wasserreservate allerdings keine Rücksicht auf politische Staatsgrenzen nehmen, sind auch bewaffnete zwischenstaatliche Konflikte nicht länger auszuschließen. Ernsthafte Auseinandersetzungen gab es beispielsweise schon zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak um das Wasser des Euphrats. Durch den Bau großer Stauseen in Südanatolien kommt nur noch ein kleiner Teil des benötigten Wassers in Syrien und im Irak an. Ganz ähnliche Auseinandersetzungen gab es um das Wasser des Jordans. Auch Ägyptens Landwirtschaft am Nil und das hohe Bevölkerungswachstum in Äthiopien (Einzugsgebiet des Nils) sind kaum zu vereinbaren.

Die Gewinner der Wasserkrise

Um die Wasserprobleme in Entwicklungsländern und im Nahen Osten langfristig und vernünftig zu lösen, geht die Weltbank von einem jährlichen Investitionsbedarf von 60 Milliarden Dollar aus. Diese Summe lässt sich bei weitem nicht durch Entwicklungshilfe oder die öffentlichen Haushalte der betroffenen Länder aufbringen. Und auch die Privatwirtschaft scheidet in vielen Fällen als Kapitalgeber aus, da die Ertragsaussichten in den Entwicklungsländern zu ungewiss sind. Mit traditionellen Technologien und Konzepten ist der weltweiten Wasserproblematik offensichtlich nicht beizukommen. Wie schon beim Erdöl müssen auch in Bezug auf das Trinkwasser neuartige und vor allem nachhaltige Konzepte und Technologien entwickelt werden. Vor diesem Hintergrund können Unternehmen, die bereits heute über kostengünstige und nachhaltige Alternativ-Technologien verfügen, zu den großen Gewinnern des noch jungen 21. Jahrhunderts gerechnet werden.


Ist Wasser ein Grundrecht - oder eine Ware wie jede andere?

Der Streit ums Wasser ist bereits voll entbrannt - zwischen den Vereinten Nationen und Umweltschützern auf der einen und dem Internationalen Währungsfonds und vielen Ökonomen auf der anderen Seite. Während die UNO den freien Zugang als Menschenrecht ausgerufen hat, verlangt die Wirtschaft, dass Wasser einen Preis bekommt. Ihr Argument: "Was nichts kostet, ist nichts wert" - und wird deshalb verschwendet. Da mit dieser Diskussion den wirklich Bedürftigen nicht geholfen ist, sind jetzt neue Technologien der Wassergewinnung (z.B. Aquamission) gefragt.


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