In der Wirtschaft gibt es nicht nur erfolgreiche Investments und Gewinne, sondern eben auch die Kehrseite wie Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit und Armut. Das Kapital wird von Menschen gehalten, in Folge gibt es keinen stets perfekten Markt. Crash und Krisen sind allerdings kein Phänomen der Gegenwart: Bereits im Florenz des 14. Jahrhunderts scheiterten reihenweise Bankiers im Kreditgeschäft, weil sie die Bonität der Schuldner nicht ausreichend prüften.

Im 17. Jahrhundert platzte in Holland eine Spekulations-Blase der besonderen Art und auf einen Tulpen-Boom folgte die Tulpen-Krise. Die zu Anfang sehr seltene Tulpen-Zwiebel wurde praktisch kaum gehandelt und in den Gärten der Reichen kultiviert, weit weg vom gemeinen Volke. Nur unter seinesgleichen zeigte man sich angeberisch mit den edlen Blumen. Die Tulpe als Statussymbol, nicht viel anders als heute, nur heißen die Kultobjekte jetzt iPhone oder iPad. In den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts änderte sich das und die Tulpenzwiebel wurden zum Spekulationsobjekt. Gehandelt wurde das edle Gut zunächst weniger an der Börse als viel mehr in Wirtshäusern. 1623 kostete die damals beliebteste Sorte, Semper Augustus, 1.200 Gulden. Zum Vergleich: Ein fleißiger Handwerker verdiente im Jahr 300 Gulden, ein erfolgreicher Kaufmann gut und gerne 20.000 Gulden.

Zehn Jahre später war Holland ein Land voller Tulpenzüchter. Und Spekulanten, die sogar mit Optionen auf die nächste Tulpen-Ernte handelten. Noch stieg die Nachfrage schneller als das Angebot und die Spekulation befeuerte sich selbst. Ganze Häuser wurden gegen eine Zwiebel getauscht und der Terminmarkt begann ein Eigenleben zu entwickeln, losgelöst vom physischen Markt. Woher kommt uns das nur bekannt vor? 1636 wurde eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus, in der Spitze, zum Preis von 10.000 Gulden gehandelt. Man erinnere sich noch einmal an die Einkommensverhältnisse: Das halbe Jahreseinkommen eines guten Kaufmanns für eine einzige Zwiebel. Der Crash kam im Februar 1637, als der Handel – ohne nachvollziehbare Erklärung – zu stocken begann.

Die Händler gerieten in Panik, die Käufer hielten sich schlagartig zurück und ein Überangebot an Zwiebeln ließ die Preise nach kurzer Zeit um 95 Prozent einbrechen. Die neu entstandene Züchtergilde musste zum Großteil in die alten Berufe zurück und viele Bürger hatten ihr gesamtes Vermögen verloren. Im Wirtschaftsleben kam es zu einer lang anhaltenden Vertrauenskrise. Die Niederlande hat die Tulpenmanie verkraftet, das Land ist heute eine erfolgreiche Wirtschaftsnation. Und sogar das Klischee der Tulpennation ist bis heute geblieben, in der Tat werden in Holland etwa 80 Prozent aller Tulpenpflanzen innerhalb Europas kultiviert.