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Die Europäische Zentralbank flutet den Finanzmarkt weiterhin mit Geld: Zum ersten mal in der Geschichte dürfen sich private Bankhäuser und Sparkassen bei der Notenbank für ein ganzes Jahr unbegrenzt Geld ausleihen, zum sagenhaften Zinssatz von nur noch einen Prozent! In Folge verteilte die EZB gestern rund 442 Milliarden Euro an über 1100 Banken in der Eurozone.

Inzwischen ersaufen die Banken im angehäuften Geld. An der Liquidität kann es also wirklich nicht liegen das Kredite, insbesondere an Kleinunternehmen, nur übervorsichtig oder gar nicht ausgegeben werden. Ebensowenig nachvollziehbar ist, warum die privaten Kunden nach wie vor für ihre Schulden hohe Zinsen berappen müssen. Die von der EZB erwünschte Entlastung erreichen weder die Kleinunternehmer noch den den privaten Verbraucher. Gewinner? Die Banken!

Neben den Banken gibt es noch einen Gewinner der aktuellen Geldpolitik: Schließlich nützt die hohe Liquidität und der niedrige Zins vor allem dem größten Schuldenmacher überhaupt: Der Bundesregierung! Alleine die Neuverschuldung im kommenden Jahr dürfte bei mindestens 70 Milliarden Euro liegen. Risiken aus Bürgschaften (z.B. Hypo Real Estate) sind in der veranschlagten Summe nicht enthalten. Die Neuverschuldung in 2011 und 2012 dürfte ähnlich hoch ausfallen.

Mit der Bankenkrise hat sich nichts verändert. Der Hochmut in den Geldhäusern ist geblieben und wird aus ganz praktischen Gründen weiter untermauert. Gleichzeitig geblieben ist die naive Gutgläubigkeit der Privatkunden. Sie lassen sich – Guthaben selbstverständlich vorausgesetzt – in der Mehrheit mit minderwertigen Bankprodukten und dümmlicher Anlageberatung abspeisen.

Ausgesprochen arm dran sind Kunden mit notorischer Schuldenlast, ich spreche dabei weniger von den Hypothekenfinanzierungen, als vielmehr von Belastungen aus Konsum- und Dispokrediten. In dieser Sparte machen die Banken durch hohen Zins und Kombigeschäfte den maximalen Profit. Nur das Investment-Banking verspricht eine höhere Marge. Aber: Gnade ihm Gott, wenn ein Privatkunde seine Bankschulden aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr bedienen kann. Da reicht schon mal die Kurzarbeit aus, um einen laufenden Kredit zum platzen zu bringen. Staatshilfen wird so ein Schuldner nicht in Anspruch nehmen können.

Um auf den Ursprung meiner Überlegung zu kommen: Was war noch mal in den USA der Auslöser für die globale Finanzkrise? Ach ja, die amerikanische Notenbank hat nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York die Zinsen dratisch gesenkt und jede Menge Geld in die Wirtschaft gepumpt, gepumpt und gepumpt. Na super! Und schon rollt die nächste Krise in Form einer massiven Geldentwertung auf uns zu.