Informieren Sie sich gründlich und aus verschiedenen Quellen, bevor Sie sich eine eigene Meinung bilden, aber unterscheiden Sie zwischen wichtigen (kursrelevanten) und unwichtigen (kursneutralen) Informationen. Die Schwierigkeit des Börsianers besteht heute weniger darin, überhaupt an Informationen zu kommen, als vielmehr, aus der Fülle der angebotenen Informationen zwischen relevanten und irrelevanten Nachrichten zu unterscheiden. Statt Hunderte von Kriterien seinen hier einige Indikatoren vorgestellt, die Sie vor einer Kaufentscheidung analysieren sollten.

Konjunktur: Es ist selbstverständlich, daß der gesamtwirtschaftliche Verlauf die Kurse an den Aktienbörsen beeinflußt und entscheidend prägt. Dabei ist es zwingend, zwischen Gesamtkonjunktur und Branchenkonjunktur zu trennen. Dieser einfache analytische Ansatz wird Ihnen an der Börse viel Geld einbringen. Warum war man bei vielen ausgezeichneten Börsengeschäften nicht dabei? Weil man sich meist von gesamtkonjunkturellen Gutachten blenden ließ und auf die Branchenkonjunktur gar nicht achtete. Bei der Branchenanalyse ist besonders auf die letzten und auf die ersten Unternehmen zu achten. Die Branchenletzten müssen nicht immer die letzten bleiben. Schon ein kleiner Positionswechsel nach oben, etwa von Rang 12 auf 10, bringt Gewinne. Nur wer regelmäßig diese Abläufe verfolgt, entwickelt das richtige Gespür für einen bevorstehenden Wechsel der Branchen-Favoriten. Das Erkennen eines Rang-Wechsels wird von der Börse überdurchschnittlich belohnt. Politik: Den grundsätzlich unkalkulierbaren Börsenfaktor bestimmt die Politik. Die Auswirkungen können drastisch sein.

Zinsen: Kein Anleger oder Spekulant kann an der Börse erfolgreich überleben, wenn er nicht aufmerksam die Entwicklung der Zinsen beobachtet. Die Börsenregel lautet ganz einfach: steigende Zinsen – sinkende Aktienkurse, fallende Zinsen – steigende Aktienkurse. Liquidität: Liquidität ist das Herz des Börsenmotors. Ohne Geld läuft nichts. Was versteht man unter „Liquidität“? Unter diesen begriff fällt die gesamte Geldmenge, die für Börsen-Investitionen zur Verfügung steht. Hohe Liquidität belebt im allgemeinen die Wertpapiernachfrage. Gesamtwirtschaftlich kann sie durch eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken bewirkt werden. Einzelwirtschaftlich ist z.B. an Zins- und Dividendenterminen eine erhöhte Liquidität der Anleger zu beobachten. Angespannte Liquidität dämpft im allgemeinen die Anlageneigung an den Aktienmärkten. Auch müssen die ungeheuren Geldmengen der ausländischen Investoren beachtet werden. Wir verdanken ihnen die enormen Aufwärtsbewegungen genauso wie die übertriebenen Baissen, denn sie gehen ebenso schnell raus, wie sie in Aktien reingehen.

Stimmung: Die Stimmung ist ein wichtiges, aber trügerisches Börsenelement, denn nichts ändert sich schneller. Wahrscheinlich die wäre es daher richtiger, von Launen zu sprechen. Analysieren Sie die jeweilige Stimmung und prognostizieren Sie deren weiteren verlauf. Besonders gefährlich ist die Hoch- und Jubelstimmung. Darauf fallen die meisten Anleger rein. Eine Kaufempfehlung jagt die andere, nahezu die gesamte Börsenwelt liegt im Kaufrausch. Als geschulter Börsianer wissen Sie, was zu tun ist. Geben Sie denen doch die Stücke, damit sie zufrieden sind. Sie selbst werden es dann später auch sein. Denn: Die Stimmung wird von Menschen gemacht, nicht von Fakten. Menschen neigen zu Übertreibungen. Also übertreibt die Börse.

Trend: Der Trend ist dein Freund, so lautet ein alter Börsenspruch. Und in der Tat steckt in diesem simplen Satz die ganze Börsenweisheit. Mit Trend ist die relativ stabile Tendenz der Gesamtentwicklung aller in einem Index zusammengefassten Aktien gemeint (Index = Angabe des Kursdurchschnitts einer festgelegten Menge maßgeblicher Aktien im zeitlichen Verlauf).

Zukunft des Unternehmens: Die Unternehmerzukunft bestimmt die Zukunft des Aktienkurses. In dieser lapidaren Formulierung steckt unendlich viel Börsenlogik. Wenn Sie es sich einfach machen wollen, analysieren Sie das Unternehmen unkompliziert und fragen: Stimmt das Produkt? Sind die Produkte gut, haben sie Zukunft, wie stabil ist der Markt, wo liegen die Märkte? Ist das Management gut? Große Vorsicht ist bei relativ kleinen Unternehmen geboten, die starken konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt sind. Informationen aus der Wirtschaftspresse reichen kaum aus. Entweder sind Sie mutig und kaufen streng antizyklisch, oder Sie besorgen sich die erforderlichen Kenntnisse über Mitarbeiter des Unternehmens.
Wall Street: Am wichtigsten ist die Börse, welche am stärksten auf die Kurse der anderen Börsen einwirkt. Und das ist zweifellos die New York Stock Exchange, kurz Wall Street genannt. Kein Spekulant kommt daran vorbei, sehr sorgfältig die dortigen Kursentwicklungen zu beobachten. Umsätze, Dow-Jones-Index, Dollar-Kurs und den Goldpreis liefern uns die Medien praktisch live. Spätestens nach Börsenschluss sollte der Aktienanleger informiert sein und kann auf der Basis disponieren.

Devisen: Jeder Anleger, der auf internationale Wertpapiere setzt, muß die Devisenmärkte im Auge haben. Dabei ist es einerlei, ob er in Aktien, Optionsscheine oder andere Anlageformen investiert. Von der Entwicklung fremder Währungen sind auch konservative Anleger, die nur ausgesuchte deutsche Standardwerte ins Depot aufnehmen, betroffen. So beeinflußt der Kurs des US-Dollar exportorientierte Werte wie etwa Daimler oder Volkswagen.

Preissteigerungen: Preissteigerungen bis zu zwei Prozent gelten als Zielsetzung und als Indiz für Geldwertstabilität. Inzwischen ist man nicht mehr ganz so anspruchsvoll. Bleibt die Rate unter drei Prozent, besteht kein Anlaß zu größeren Besorgnis. Wird diese Schwelle überschritten, gilt es, hellwach zu sein und auf den Primärfaktor Zins zu achten. Als Anleger tut man gut daran, nicht nur die deutschen Preissteigerungen zu beobachten. Auch das Ausland ist wichtig, da die internationale Verflechtung ins Inland zurückwirkt. Wer auf internationale Aktien setzt, muß selbstverständlich die Entwicklung in den Ländern seiner Investition ganz besonders beobachten.

Rohstoffpreise: Schon zu allen Zeiten waren die internationalen Waren- und Rohstoffmärkte ein Mekka für Spekulanten. Ob Weizen, Mais oder Schweinehälften, es gibt nichts, was nicht gehandelt wird. Den Aktionär interessiert diese Art Rohstoff jedoch nicht besonders. Aber er sollte die Preise für Rohöl und Metalle verfolgen, selbst dann, wenn er nicht unmittelbar im Öl- oder Rohstoffgeschäft engagiert ist. In unzähligen Unternehmen werden Rohstoffe verarbeitet, folglich schlagen sich die Rohstoffpreise im Betriebsergebnis nieder.

Aktien-Umsätze: Hausse- und Baissezeiten sind immer von besonderem Interesse. Der professionelle Investor braucht Kriterien, die ihm eine mögliche Trendwende anzeigen. Dazu eignen sich die Aktienumsätze. Riesige Umsätze in der Super-Hausse tragen in ihren Spitzenzahlen bereits den Keim der Baisse in sich. Diese Interpretation verfestigt sich, wenn anschließend die Umsätze mehr oder weniger dahindümpeln. In der Wirtschaftspresse wird dieser Sachverhalt meist als Konsolidierungsphase umschrieben.