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Zugegeben, im ersten Moment klingt meine Aufforderung ein wenig provokativ.

Am Ende werden Sie allerdings feststellen, meine Überlegung ist nicht ganz ohne Sinn. Absolut keine Frage, um der Dritten Welt zu helfen, sind Spenden enorm wichtig, gerade im Katastrophenfall. Aber beruht unser Wohlstand im Westen auf großzügiges Spenden, oder nicht doch vielmehr auf sinnvolle Investitionen? Investitionen bedeuten Arbeit, Bildungschancen und Sicherheit.

Warum sollte das in den Schwellenländern dieser Welt anders sein?

Spendenorganisationen benötigen Kapital

Auch eine Non-Profit-Organisation funktioniert nicht ohne Budget. Da sind zum Beispiel die Gehälter für Mitarbeiter, die Unterhaltskosten für Geschäftsräume, Reisen und Kommunikation, vor allem aber der Aufwand für Provisionen an professionelle Spendensammler. Unter den Spendenorganisationen herrscht große Konkurrenz, ein stetiger Kampf um den großzügigen Spender: Ohne ein gezieltes Marketing erreicht eine Organisation seine Spender nicht. Werbung und Vertrieb kosten viel Geld.

Wieviel Geld von einer Spende erreicht ein Hilfsprojekt in der Dritten Welt?

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt ein Gütesiegel, sofern der Anteil der Werbe- und Verwaltungskosten 30 Prozent des Spendenaufkommens nicht übersteigt. Das DZI listet aktuell 230 Spendenorganisationen – dabei sind in Deutschland rund 2000 Spendensammler unterwegs und nicht jede Organisation lässt sich bei der Verwendung der Spendengelder genauer in die Karten schauen. Kein Wunder also, dass mögliche Geber skeptisch reagieren, wenn schon bei seriösen Organisationen von einem Spenden-Euro nur 70 bis 75 Cent für den eigentlichen guten Zweck ankommen.

Vor Ort investieren

Aber was ist die kosteneffiziente Alternative um Menschen in den Schwellenländern zu helfen? Eine Möglichkeit sind Investmentfonds, die das Geld ihrer Kunden gezielt in Schwellenländern anlegen. Investitionen vor Ort bringen den Menschen nicht nur Lohn und Brot, sondern auch eine Chance zur weiteren Entwicklung. Wer einen Anteil an einem Aktienfond kauft, wird – zugegeben über den Umweg des Fonds – zum Unternehmer und damit zum Arbeitgeber. Und keineswegs nur ein egoistischer Kapitalist, der ausschließlich auf Dividende und Kursgewinne hofft.

Mit Spenden in den Entwicklungsländern ist erfahrungsgemäß die Gefahr verbunden, die Abhängigkeit von Hilfe auf Dauer festzuschreiben. Nur mit echten Investitionen lässt sich dieser Teufelskreis aus Hilfsbedürftigkeit und Spenden durchbrechen. Damit das jedoch funktioniert, müssen Investitionen in der Dritten Welt bestimmte ethische und soziale Standards erfüllen.