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Kleine Geschichen aus Kiew.

Ein ewig alter Mercedes (E-Klasse) steht am Platz. Ich erkenne ein russisches Nummernschild an der Frontseite. Die Heckklappe steht offen und im Kofferraum liegen große Rinderstücke. Diese werden von kräftigen Typen auf die Schultern gewuchtet und verschwinden im Hintereingang eines Restaurants. Die Typen sehen alle lecker aus – unrasierte Tschetschenien-Krieger. Keine Ahnung, ob sie die Kuh auf dem Weg – vom Kaukasus nach Kiew – irgendwo von der Weide gezogen haben. Jedenfalls war die Szene für mich echt köstlich und fand mitten in Kiew statt: Auf dem Maidan, dem Hauptplatz von Kiew, vor einem teuren Restaurant. Humor muss man haben und die Augen offenhalten. Dann springen einen die kleinen Geschichten förmlich an.

Kleine Geschichen aus Kiew.

Zu den Orangen habe ich auch eine Anekdote aus der „Orangen Revolution“ Ende 2004. Diverse Geldgeber ließen unter den Demonstranten für Victor Juschtschenko zahlreich Orangen verteilen. Victor Juschtschenko kämpfte damals für einen pro westlichen Kurs, mit wirtschaftlicher und politischer Rückendeckung u.a. aus den USA (seine Frau ist übrigens Amerikanerin). Jedenfalls griff die politische Gegenseite das Thema auf und die Ehefrau eines hochrangigen Politikers sprach vor vielen Tausend Demonstranten ernsthaft ins Mikrofon: „Diese Orangen wurden von den Amerikanern vergiftet, damit ihr die Stimme nur an Juschtschenko abgeben könnt.“ Ein entsprechendes Gelächter ging durch die Menge.

Ein Marktplatz in Kiew - November 2000 - Foto by Thomas Kristan.

Geschäftiges Markttreiben wo man hinschaut.

Damals war dies mein erster intensiver Marktbesuch in Kiew und alles in allem dürfte dieser Markt (nähe Wasilkowska Ulica, meine erste Wohnung) leicht die Größe eines Fußballfeldes überschreiten. Die älteren Bewohner in Kiew kaufen ausschließlich auf solchen Märkten ein, weniger im Supermarkt mit Selbstbedienung. Genauso ist aber die junge Generation hier zu finden. Im Grunde gehen hier alle umliegenden Anwohner einkaufen.

Der moderne Supermarkt (im westlichen Sinne) war eher den besserverdienenden Teilen der Bevölkerung vorbehalten. Das ist oftmals heute noch so, selbst wenn die Abgrenzungen immer schneller schwinden. Denn in den letzten Jahren sind zahlreiche neue Supermärkte und luxuriöse Einkaufszentren entstanden. Nicht alleine in Kiew.

Im Donbass gibt es eine sehr erfolgreiche Supermarktkette und die Besitzerin ist niemand geringeres als Julia Timoschenko. Frau Timoschenko, bei uns als streitbare ukrainische Politikerin mit dem geflochtenen Haarkranz bekannt, gehört zu den reichsten Ukrainern überhaupt.