Krieg der Währungen
Erneut kämpft Deutschland gegen den Rest der Welt! Es ist nicht so das dieser Kampf für uns Bürger zu spüren wäre, jedenfalls im Moment noch nicht. Die meisten Menschen ignorieren das internationale Gezerre um die Währungen oder sie verstehen in diesem Zusammenhang ohnehin nur Bahnhof. Dabei betrifft der aktuelle Währungskrieg uns alle und insbesondere unsere Ersparnisse.
Zwischen April und Juni dieses Jahres wurde der Euro-Kurs gegen über dem US-Dollar von 1,40 auf unter 1,20 gedrückt. Der Devisenmarkt quittierte derzeit die Geldpolitik der Griechen. Die Medien waren voll mit kontroversen Diskussionen. So mancher „Experte“ forderte den „Rauswurf“ der Griechen aus dem Euro. Andere – insbesondere Politiker – schimpften auf die Spekulanten, welche gegen den Euro handelten. Das Thema ist inzwischen aus den Medien verschwunden.
Wie auch immer: Sechs Monate, nach Beginn des Euro-Kursverfalls, steht unsere Währung erneut bei 1,40 gegen über der US-Währung. Alleine in den letzten vier Wochen gewann der Euro 10 Prozent Kurswert gegenüber dem US-Dollar hinzu. Was ist geschehen? Das Rettungspaket für Griechenland (und andere klamme Euro-Staaten) hat mit den aktuellen Kursgewinnen nämlich nichts zu tun.
Es sind die Amerikaner, die konsequent eine Politik des schwachen US-Dollars verfolgen und damit so ziemlich die gesamte Welt in einen Abwärtssog reißen. Die ganze Welt? Nicht ganz, denn Deutschland stellt sich den übermächtigen USA entgegen. Einzig der IWF und die Weltbank stehen auf „unserer“ Seite. Nun ist der Euro natürlich keine deutsche Währung, sondern die europäische Währung. Aber Frankreich, Italien oder Spanien würden nur zu gerne politischen Einfluss auf die Geldpolitik nehmen. Da stand Deutschland von Anfang an dagegen.
Um endlich neuen Schwung in die heimische Wirtschaft zu bringen, verbilligen die USA ihre Währung. Damit wollen die USA ein Export-Vorteil auf den Weltmärkten erreichen. Amerikas Exporte werden billiger. Im Landesinnern ändert sich kaum etwas. Allerdings, und da liegt der Haken, aus dem Ausland importierte Güter oder Rohstoffe werden entsprechend teurer. In Folge steigen die Schulden und das Außenhandelsdefizit. Mit anderen Worten: Die amerikanischen Bürger leben über ihre Verhältnisse.
Deutschland tickt diesbezüglich vollkommen anders und die Geldwertstabilität wird als sehr wichtig angesehen. Man erinnere sich nur an die Garantieerklärung von Angela Merkel und Peer Steinbrück Anfang Oktober 2008, nachdem einige Tage zuvor Lehman Brothers in den USA die „Grätsche“ gemacht hatte. Die Hyperinflation aus der Vergangenheit prägt bis heute das Verhalten der Deutschen. Konjunkturelle Förderung durch Geldentwertung wird nicht akzeptiert. Hohe Inflation wird hierzulande als Raub am Volksvermögen empfunden.
Staaten mit hohen Außenhandelsüberschüssen, wie zum Beispiel China oder die führenden Ölförderländer, erwirtschaften ihre Devisen überwiegend in US-Dollar. Da der Dollar derzeit nachhaltig inflationiert wird, suchen diese Länder fast schon verzweifelt nach einer Alternative: Gold oder Euro. Da das Goldvolumen deutlich kleiner ist als das Eurovolumen, steigt der Goldpreis auch gegenüber dem Euro an.
Wenn man so will, dann war die Griechenlandkrise ein großes Geschenk für die deutsche Exportwirtschaft. Der Euro brach kräftig ein und seine Stabilität wurde ernsthaft in Frage gestellt. Der schwache Euro verhalf den Exportunternehmen schneller aus der Krise. Dieser Vorteil ist nunmehr vorbei. Was ist also die richtige Geldpolitik? Sparen für Geldwertstabilität und Verlässlichkeit? Oder eine großzügige Liquiditätsversorgung zum Ankurbeln der Wirtschaft, auch wenn es langfristig ans Ersparte geht? Nie zuvor sind diese beiden unterschiedlichen Ideologien so heftig aufeinander geprallt, wie in diesen Tagen. Die Währung wird als „Waffe“ eingesetzt.
Tatsächlich ist es so, dass bisher keine Region der Welt die Möglichkeit hat, sich der USA, der kontinuierlichen Abwertung des US-Dollars, entgegen zu stellen. China hat seine Währung an den US-Dollar gekoppelt, die meisten asiatischen Länder ebenfalls. Japan verfolgt genauso eine Politik des billigen Yen. Und sogar in Großbritannien wird eine Lockerung der Geldpolitik angestrebt. Der Abwertungswettlauf, außerhalb des Euro-Raumes, könnte in eine steigende Inflation enden. Die Menschen würden das Vertrauen in die Währung verlieren. Ein Run der Sparer auf die Banken, kein unmögliches Szenario. Gleichzeitig explodiert der Goldpreis. Sieger wäre das Land mit den größten Goldreserven weltweit: Die USA. Doch die Schlacht ist noch nicht geschlagen und IWF als auch die Weltbank fordern weltweit mehr Disziplin im Umgang mit der eigenen Währung.











