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Wissen macht klug und Fragen kostet nix

by Thomas Kristan

Lexikon

Ansparabschreibung

Als Investitionsabzugsbetrag wird nach deutschem Steuerrecht eine den Gewinn außerhalb der Bilanz mindernde Rechengröße bezeichnet, die von Unternehmen gemäß § 7g EStG für künftige Investitionen in Wirtschaftsgüter gebildet werden kann. Der Investitionsabzugsbetrag hat im Zuge der Unternehmensteuerreform 2008 die frühere Ansparabschreibung abgelöst.

Der Investitionsabzugsbetrag ermöglicht einem Unternehmen die Vorverlagerung von Abschreibungen in ein Wirtschaftsjahr vor der Anschaffung oder Herstellung eines Wirtschaftsgutes. Damit sinkt zwar im Jahr der Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrages die Steuerbelastung, erhöht sich allerdings entsprechend in späteren Jahren. Aufgrund des progressiven Einkommensteuertarifs kann durch geschickte Ausübung des Wahlrechts in der mehrjährigen Betrachtung ein endgültiger Steuervorteil entstehen. Hinzu kommt ein Liquiditätsvorteil aus dem Steuerstundungseffekt.

Steuertechnisch ist der Investitionsabzugsbetrag außerhalb der Steuerbilanz oder außerhalb der Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu berücksichtigen, während die Ansparabschreibung innerhalb der Bilanz erfolgte.

Leasingsonderzahlung

Vor Jahresende mit Betriebsausgaben Steuern sparen? Das geht. Etwa mit einem Diagnosegerät für die Arztpraxis. Oder frischem Mobiliar für das Wartezimmer der Kanzlei. Oder einem neuen Firmenwagen. Wer least, statt zu kaufen, profitiert steuerlich. Es gilt: Bei einer Leasinglaufzeit unter fünf Jahren sind bis zu 30 Prozent Leasingsonderzahlung möglich. Diese dürfen Sie in der Regel in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung als laufende Betriebsausgabe absetzen.

Der Aktionär

Für viele Sparer ist die Aktie so eine Art Lotterielos. Mit etwas Glück zieht man den Hauptgewinn. Hat man Pech, verliert man seine Ersparnisse. Mit Glücksspiel hat der Kauf von Aktien nichts zu tun. Der Vergleich ist absolut an den Haaren herbeigezogen. Mehr noch, diese arg verkürzte Denkweise unterschlägt eine sehr entscheidende Wahrheit:

Der Sparer wird durch den Kauf von Aktien ein Unternehmer.

Eine Aktie stellt nämlich einen Anteil an einem Unternehmen dar. Wer eine Aktie kauft, wird mit zum Eigentümer dieser Gesellschaft. Dem Aktionär gehört ein kleines Stück der Firma und ein Stimmrecht.

Einmal im Jahr ist Zahltag

Eine erfolgreiche Gesellschaft hat i.d.R. zufriedene Aktionäre. Denn der Eigentümer wird am Erfolg der Gesellschaft beteiligt. Einmal im Jahr wird dem Aktionär eine Dividende bezahlt. Finanziert wird die Dividende aus dem Jahresgewinn der Gesellschaft. Je erfolgreicher ein Unternehmen, desto begehrter werden auch die Aktien dieser Firma. Der Aktienkurs steigt.

Laufen die Geschäfte hingegen schlecht, belasten sinkende Gewinne und gekürzte Dividenden den Aktienkurs. Kluge Unternehmen bilden Rücklagen für wirtschaftlich schwierige Zeiten. Damit wird selbst in Krisenzeiten die Dividende für die Aktionäre gesichert.

Dieses Auf und Ab der Aktienkurse hat mit Glücksspiel also herzlich wenig zu tun. Vielmehr geht es um Erfolg oder Misswirtschaft in einem Unternehmen. Moderne Produkte, cleveres Marketing und ein qualifiziertes Management lassen Aktienkurse mit einem eindeutigen Chartverlauf erwarten: „Von links unten nach recht oben!“

Im Prinzip reicht eine Aktie

Wie ein Unternehmer macht der Aktionär das wirtschaftliche Auf und Ab mit. Natürlich, im kleineren Maßstab. Der Anleger kann selbst mit sehr niedrigen Summen bei einer Firma einsteigen. Im Prinzip reicht eine Aktie, schon ist er Aktionär und kann an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens teilhaben.

Die Börse

Ist die Börse nichts anderes als ein Riesen-Spielkasino?

Spekulanten und Betrüger tragen dazu bei, diesen vermeintlich schlechten Ruf zu pflegen. Dabei gebührt der Börse hohes Ansehen. Die Börse erfüllt wichtige Funktionen in der Gesellschaft. Dazu gehört, dass die breite Masse der Bevölkerung am Wirtschaftswachstum teilhaben kann.

Weil Aktien auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich sind, kann auch Otto-Normal-Anleger bei Unternehmen einsteigen.

Die Börse als Wirtschaftstreiber und Vermittler

Die Börse ist außerdem gut für die gesamte Volkswirtschaft. Firmen können sich am Kapitalmarkt vergleichsweise einfach und günstig finanzieren, sie können sich hohe Kapitalbeträge beschaffen, die sie dann wieder investieren. So fördert die Börse das wirtschaftliche Wachstum und wirkt auf die gesamte konjunkturelle Lage.

Wertpapierbörsen sind außerdem eine „Vermittlungsstelle“. Sie bringen den Unternehmer mit einer Vielzahl von Investoren und Kleinanlegern zusammen. Ohne diesen Vermittler würden sich Kapitalgeber und Kapitalnehmer nur schwer finden. Auch Aktionäre, die ihre Aktien wieder verkaufen wollten, hätten es ohne die Börse schwer.

Die Börse sorgt also für Ordnung und Transparenz. Sie stellt den Markt auf eine breitere Basis, so dass der Wert der Aktie durch eine größere Anzahl von Menschen bestimmt wird. Sie gewährt Anlegern dadurch eine gewisse Sicherheit.

Die Organe einer Aktiengesellschaft

Hauptversammlung

Versammlung der Teilhaber einer Aktiengesellschaft und deren oberstes Beschlussorgan. Entsprechend seinem Besitz an stimmberechtigten Aktien ist jeder Aktionär zur Stimmabgabe auf der Hauptversammlung (HV) berechtigt. Soweit er diese nicht selbst wahrnehmen kann, kann er Dritte beauftragen. Dies ist zumeist immer noch die depotführende Bank, aber auch Aktionärsvereinigungen und immer öfter Vertrauensleute des Unternehmens.

Zu den wichtigsten Befugnissen der HV gehört die Bestellung des Aufsichtsrats, der seinerseits den Vorstand des Unternehmens bestimmt. Darüber hinaus entscheidet die HV über die Verwendung des Gewinns, die Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand sowie über Kapitalmaßnahmen. Im allgemeinen werden Beschlüsse mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst, soweit es nicht um Entscheidungen von besonderer Tragweite wie Satzungsänderungen, Kapitalerhöhungen oder die Liquidation geht. Diese schreiben eine Zustimmung von 75 Prozent des bei der Beschlussfassung anwesenden Kapitals vor.

Aufsichtsrat

Das für die Überwachung der Geschäftsführung einer Kapitalgesellschaft zuständige, bei Aktiengesellschaften von der Hauptversammlung und je nach Beschäftigtenzahl der Unternehmung von der Belegschaft gewählte Organ. Bei Aktiengesellschaften besteht er aus mindestens drei Mitgliedern, die nicht zugleich dem Vorstand angehören dürfen.

Vorstand

Das eigentliche, in der Regel aus mehreren Personen bestehende Organ zur Geschäftsführung und Vertretung einer Gesellschaft, bei Aktiengesellschaften auf höchstens fünf Jahre vom Aufsichtsrat bestellt.

Die 72er-Regel

Die 72er-Regel ist ein Begriff aus der Finanzmathematik. Die Regel gibt überschlägig an, in wie vielen Jahren eine Kapitalanlage sich im Nennwert verdoppelt oder halbiert.

Aus Angst vor Börsenschwankungen horten Deutsche Sparer ihr Geld überwiegend auf Sparbüchern, Tagesgeld- oder Festgeldkonten. Ein fataler Irrtum, denn mit den derzeitigen Minizinsen entwerten die Sparer ihr Vermögen. Ein kleines Rechenbeispiel? Angenommen die Banken zahlen 0,95 Prozent Zinsen für Einlagen auf ein klassisches Sparbuch.

72 : 0,95 = 75,78

In Worten: Eine Einlage auf dem Sparbuch verdoppelt sich erst nach über 75 Jahren.

Die Rechnung hat auch eine andere Richtung:

Eine angenommene Inflationsrate von 3 Prozent.

72 : 3,00 = 24,00

In Worten: Nach 24 Jahren hat eine Ersparnis die Hälfte an Kaufkraft eingebüßt.

Kapitalerhöhung

Als Kapitalerhöhung gilt die Erhöhung des Eigenkapitals einer Aktiengesellschaft durch Emission von neuen Aktien. Durch an Altaktionäre ausgegeben Bezugsrechte können diese durch den Kauf neuer, zusätzlicher Aktien ihre prozentuale Beteiligung an der Gesellschaft halten oder durch den Erwerb zusätzlicher Bezugsrechte auch ausbauen. Bei einer Kapitalerhöhung, die durch eine Umwandlung von Rücklagen in Grundkapital erfolgt, erhalten die Altaktionäre sogenannte Berechtigungsaktien. Eine Kapitalerhöhung kann bei einer Hauptversammlung nur dann genehmigt werden, wenn mindestens 3/4 der vertretenen stimmberechtigten Aktionäre dieser Maßnahme zustimmen. Das Bezugsrecht kann bei einer Kapitalerhöhung auch ausgeschlossen werden, wenn die Hauptversammlung den Vorstand dazu ermächtigt.

Kapitalschnitt

Als Kapitalschnitt wird die nominelle Herabsetzung des Kapitals einer Aktiengesellschaft, bei gleichzeitiger effektiver Kapitalerhöhung bezeichnet. Dies erfolgt in der Regel dann, wenn die Gesellschaft gravierende Verluste erlitten hat, durch die das Grundkapital (zu weiten Teilen) aufgezehrt wird. Dabei wird das Grundkapital zunächst um den Bilanzverlust verringert (soweit dieser das Grundkapital nicht übersteigt), wodurch die Verlusthistorie des Unternehmens beseitigt wird. Um diesem dann einen Neustart zu ermöglichen, wird dann das Kapital erhöht.

Die Aktionäre kostet ein Kapitalschnitt doppelt Geld. Zum einen werden Anteile entschädigungslos eingezogen, zum anderen müssen bei der nachfolgenden Kapitalerhöhung dem Unternehmen frische Mittel zugeführt werden.