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Über die eigene Geldanlage wird selten öffentlich diskutiert. Der Finanzkunde betritt mit einer Bank nicht etwa einen Supermarkt für Geld – nein – vielmehr betritt der vermeidliche Kunde die heiligen Hallen der Finanzen. Und dort bittet er ganz leise um die bescheidene Mehrung seines hart erarbeiteten Kapitals. Da sind dann schon mal zwei oder drei Prozent Rendite ein echtes Versprechen, quasi ein Gnadenakt der goldenen Geldhäuser.

Öffentlich diskutiert wird eher ein – Entschuldigung – beschissener Bahnhof in der Stuttgarter Stadtmitte. Dafür gehen die Bürger auf die Straße, wenn auch erst nach jahrelanger Planung und Beschlussfassung. Jedenfalls bemängeln sachkundige Projekt-Gegner vor allem die finanzielle Risiken. Das mit der finanziellen Sachkunde ist allerdings so eine Sache, denn als in der Finanzkrise von 2008 der Euro kräftig demoliert wurde, gingen die Bürger nicht auf die Straße. Gleichwohl werden immer mehr Stimmen nach der guten alten D-Mark laut.

Im Zusammengang mit der europäischen Schuldenkrise und dem Rettungsschirm finden sich bisher ebenfalls keine Projekt-Gegner ein. Vielleicht auch deshalb, weil Baulärm und Baustaub vor der eigenen Haustür mehr Ausschlag geben als finanzieller Sachverstand? Ganz offenbar kann die Finanzwirtschaft tun und lassen, was sie will. Banken haben keinen Sachverstand zu fürchten. Weder in der Politik noch vom Bürger und am allerwenigsten durch die eigene Kundschaft.

Hoffentlich hat die Deutsche Bahn für Stuttgart 21 einen Bausparvertrag abgeschlossen!