Angst, Entsetzen und Tragödien
Angst, Entsetzen und Tragödien, die Zutaten für einen echten Thriller. Doch wozu ins Kino gehen, wenn es die Börse gibt!
US-Präsident Barack Obama versuchte am Montag, seinem schockierten Land nach der Abwertung der Kreditwürdigkeit Optimismus einzuimpfen. In einer Rede sagte er, die USA seien immer ein AAA-Land gewesen und würden es trotz der Bonitätsabstufung immer sein.
Der Dax stürzte nach der Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA um mehr als fünf Prozent ab auf 5.923 Punkte – und schloss damit unterhalb der psychologisch und technisch bedeutsamen 6.000er-Marke. Das Minus der vergangenen Handelstage liegt damit bereits bei 19 Prozent.
Der Dow-Jones-Index schließt am Montag mit 10.809 Punkten (5,6 Prozent Verlust) auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2010. Der Technologie-Index Nasdaq verliert ebenfalls 6,9 Prozent. Händler sagen, dass der neuerliche Kursrutsch durch die abgestufte Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten ausgelöst worden sei.
An der New York Stock Exchange wechseln rund 2,54 Milliarden Aktien den Besitzer. 47 Werte legten zu, 3091 geben nach und 15 bleiben unverändert.
Die US-Staatsanleihen legen trotz der Herunterstufung der US-Bonität zu. Händler sagen, die Staatsanleihen hätten angesichts des Kurseinbruchs an der Wall Street als sicherer Hafen fungiert. Die Investoren hätten weiterhin Vertrauen in die festverzinslichen Wertpapiere.
Die Anleger flüchten weiterhin in Gold, der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) erreichte gestern einen neuen Rekordwert, in der Spitze 1.771,65 US-Dollar.
Der japanische Nikkei-Index startete heute mit einem Verlust von fast 5 Prozent. Der Honkonger Hang-Seng-Index gab um 6,7 Prozent nach. Der Handel an der südkoreanischen Börse Kospi in Seoul wurde nach einem Absturz um 8,6 Prozent kurzzeitig ausgesetzt.
Öffentliche Diskussion
Über die eigene Geldanlage wird selten öffentlich diskutiert. Der Finanzkunde betritt mit einer Bank nicht etwa einen Supermarkt für Geld – nein - vielmehr betritt der vermeidliche Kunde die heiligen Hallen der Finanzen. Und dort bittet er ganz leise um die bescheidene Mehrung seines hart erarbeiteten Kapitals. Da sind dann schon mal zwei oder drei Prozent Rendite ein echtes Versprechen, quasi ein Gnadenakt der goldenen Geldhäuser.
Öffentlich diskutiert wird eher ein – Entschuldigung - beschissener Bahnhof in der Stuttgarter Stadtmitte. Dafür gehen die Bürger auf die Straße, wenn auch erst nach jahrelanger Planung und Beschlussfassung. Jedenfalls bemängeln sachkundige Projekt-Gegner vor allem die finanzielle Risiken. Das mit der finanziellen Sachkunde ist allerdings so eine Sache, denn als in der Finanzkrise von 2008 der Euro kräftig demoliert wurde, gingen die Bürger nicht auf die Straße. Gleichwohl werden immer mehr Stimmen nach der guten alten D-Mark laut.
Im Zusammengang mit der europäischen Schuldenkrise und dem Rettungsschirm finden sich bisher ebenfalls keine Projekt-Gegner ein. Vielleicht auch deshalb, weil Baulärm und Baustaub vor der eigenen Haustür mehr Ausschlag geben als finanzieller Sachverstand? Ganz offenbar kann die Finanzwirtschaft tun und lassen, was sie will. Banken haben keinen Sachverstand zu fürchten. Weder in der Politik noch vom Bürger und am allerwenigsten durch die eigene Kundschaft.
Warum nur hat die Deutsche Bahn für Stuttgart 21 keinen Bausparvertrag abgeschlossen?
Naiver China-Optimismus
Schuldenkrise in Europa, Schuldenkrise und politischer Showdown in Amerika. Der lachende Dritte ist China. Die USA stehen mit über 1.100 Milliarden Dollar bei den Chinesen in der Kreide. Die chinesische Regierung mit ihren Handelsüberschüssen schwimmt also im Geld. Die Wirtschaft boomt. Doch in China wird auch nur mit Wasser gekocht und möglicherweise bahnt sich ausgerechnet im aufstrebenden China die nächste wirtschaftliche Schieflage globalen Ausmaßes an.
China Wirtschaft sieht im allgemeinen kaum jemand kritisch, ich aber schon. Denn China setzt sein Kapital alles andere als optimal ein. Chinas großes Wirtschaftswachstum fußt zu 80 Prozent auf dem Ausbau der landesweiten Infrastruktur. Doch lokale Landesfürsten lassen inzwischen Prestigeprojekte bauen, die niemand wirklich benötigt. Der Zementverbrauch pro Kopf ist in China vollkommen aus dem Ruder gelaufen.
Risiken der Finanzierung im Baugeschäft werden ausgelagert und verschleiert: Bei Kreditwachstumsraten von 20 Prozent weisen chinesische Banken Ausfallraten von nur 0,5 Prozent aus. Kein wirklich glaubhafter Wert. Für mich grenzt der allgemeine China-Optimismus schon an Naivität. China ist auf Landesebene bis über beide Ohren verschuldet. Und wie schnell ein Bauboom zu Ende sein kann, möge bitte ganz kurz einmal den Blick nach Spanien richten.
Auch ein starker Drachen muss zwischendurch einmal Luft holen.
Nachtrag am 09.08.2011
Die Inflation in China ist im Juli unerwartet stark auf 6,5 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit drei Jahren. Nahrungsmittel wurden sogar fast 15 Prozent teurer. Schweinefleisch kostet heute 57 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Kostenfalle Auto
Das der Autofahrer immer stärker zur Kasse gebeten wird, macht sich nicht alleine an der Tankstelle bemerkbar. Auch alle anderen Kosten rund ums Auto sind in den letzten fünf Jahren um bis zu 20 Prozent angestiegen: Gebühren, Versicherungen, Steuern, oder Werkstatt- und Servicekosten. Bei ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse (VW Golf oder Opel Astra), mit einer Haltedauer von vier Jahren und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern, macht das 1.000 Euro Mehrbelastung (im Vergleich zu 2006) pro Jahr aus. Deutschlands Autofahrer zahlen inzwischen 53 Milliarden Euro, in Form von Steuern und Abgaben, an den Fiskus. Und das Jahr für Jahr. Der Preis für die Mobilität könnte weiterhin überproportional steigen, insbesondere dann, wenn die Bundesregierung die PKW-Maut auf Autobahnen einführt.
Casino Kapitalismus
Aktuell lösen sich an den weltweiten Börsen erneut Milliardenwerte auf. Ob gerechtfertig oder nicht, das wird sich noch erweisen. Seit der Finanzkrise von 2008, mit dem Debakel um Lehman Brothers, haben sich meiner Meinung nach sowieso einige Spielregeln im Kapitalismus verändert. Ungeheure Risiken wurden von Seiten der privaten Finanzwirtschaft zu Lasten der Steuerzahler sozialisiert. Die Politik, gleich ob in Europa oder Amerika, bedient schön brav jede Hilfsforderung aus der Bankenwelt. Angst als Leitmotiv politischen Handelns? Alles nur, um ein noch größeres Chaos zu vermeiden? Sollen wir Bürger das noch glauben? Die Investoren jedenfalls, glauben der Politik nicht mehr.
Für gigantische Rettungspakete werden demokratische Prinzipien von unseren Regierungen geschickt umgangen oder ausgehebelt. Nur vereinzelt begehren Parlamentarier mit Sachverstand auf und ich spreche jetzt nicht von der linken Fraktion. Das Gro der Abgeordneten fügt sich brav dem Willen der jeweiligen Regierungspartei. Öffentliche Diskussion? Fehlanzeige! Bürgerprotest? Wo denn? Wozu auch? Deutsche Bürger, das erlaube ich mir an dieser Stelle zu schreiben, sind ganz leicht mit Bausparvertrag und Sparbuch zufrieden zu stellen. Ein bisschen Sachverstand der Bürger in Sachen Geld: Finanzwelt und Politiker müssten sich vor uns hüten. So aber fährt eine elitäre Klicke weiter mit uns Schlitten.
Schwarzer Freitag
Weltweit dramatische Kursverluste
In den letzten sieben Handelstagen hat der DAX 13 Prozent verloren. Aus einer Unsicherheit wird nun offenbar Panik. Anders kann ich mir den Rückgang der deutschen Aktienkurse nicht erklären. Deutsche Spitzen-Unternehmen veröffentlichen glänzende Zahlen und der DAX ist im freien Fall. Am Morgen rutscht der DAX erneut um vier Prozent in die Tiefe, nachdem zuvor der Dow Jones um 500 Punkte nachgab um mit 11.383 Punkte zu schließen. In Asien sind die Kursverluste ähnlich dramatisch.
Mir ist schon klar, der DAX kann sich dem weltweiten Trend nicht entziehen. Doch inzwischen halte ich diesen Ausverkauf für übertrieben. Das Gro der deutschen Wirtschaft ist gut aufgestellt und die weltweiten Aufträge sind da. Mögen sich die Aussichten eintrüben, Katzenjammer ist – hier in Deutschland - unangebracht. Allerdings ist mir eines klar: Die Schuldenkrise in Europa und in den USA hat Vertrauen gekostet.
Etwas verspätet, doch im Moment stellen die Investoren den taktierenden Politikern für ihr zögerliches Handeln die Quittung aus. Ob Griechenland oder Tea-Party-Bewegung: Angst, Propaganda und Machtspiele zerstören nach und nach die Marktwirtschaft. Stabilität wird für kurzfristige und egoistische Ziele geopfert. Politiker in ganz Europa verstricken sich im Unsachverstand und belügen ihre Wähler. Frau Merkel, haben Sie einen schönen Urlaub?
