Thomas Kristan Das Risiko zu scheitern ist nicht größer als die Chance zu gewinnen!

18Okt/090

Glänzende Äpfel und faule Kredite

Die Finanzkrise entstand aufgrund einer einfachen wie genialen Idee: Die Neuerfindung der Hypothek, indem man z.B. tausend Verträge zu einen neuen attraktiven Wertpapier bündelt. Eine Wertanlage, das als Alternative zur traditionellen Staats- und Industrieanleihe verkauft werden konnte. Kurzum, Hypotheken sollten in Anleihen verwandelt werden können.

Was tatsächlich in so einer Anlage an Werten steckt, wissen oft nicht einmal mehr die Experten. So ein verbrieftes Paket ist vergleichbar mit einer Obstkiste auf dem Großmarkt: Die glänzenden Äpfel liegen oben und das angefaulte Obst weiter unten. Wie auch immer: Ich wollte es ganz genau wissen und kaufte die Tage ein ganzes Paket sogenannter toxischer Papiere.

Die gibt´s für ein paar Euro bei der Bank meines Vertrauens. Das ist kein Problem. Gleichwohl ein Problem ist das Aufspüren der einzelnen Finanzierungsobjekte, im Regelfall die Grundlage der Hypothek. Einen Apfel meiner Obstkiste konnte ich inzwischen lokalisieren und – offen gesagt - meine Überraschung hielt sich in Grenzen: Ein Bauernhaus in den ukrainischen Karpaten.

Verlassenes Bauernhaus in den ukrainischen Karpaten.

Verlassenes Bauernhaus in den ukrainischen Karpaten.

Verlassenes Bauernhaus in den ukrainischen Karpaten.

Das Renditeobjekt steht auf fruchtbaren Boden. Die Stallungen können mit wenigen Handgriffen reaktiviert werden. Und zur rumänischen Grenze ist es nur ein Katzensprung, schließlich ist Rumänien ein Mitglied der Europäischen Union. Da kommt mir die Werbung vom Hornbach Baumarkt in den Sinn: "Du kannst es Dir vorstellen. Also kannst Du es auch bauen!"

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1Sep/090

Triumph und Niederlage

In Krisenzeiten werden die Grenzen der wirtschaftlichen Macht verschoben oder neu gezogen. Noch vor zwei Jahren verabschiedeten unsere Politiker ein Gesetz, das fremde Kapitalgeber aus deutschen Schlüsselunternehmen fern halten sollte. Jetzt werben verzweifelte Unternehmer um kapitalkräftige Investoren. Gerne werden in diesen Tagen reiche Scheichs vom Persischen Golf als willkommene Retter eingeladen, die zuvor ausgesperrt werden sollten.

In dieser Kriese geschieht noch mehr: Gewaltige Vermögen wie das von Madeleine Schickedanz, erworben von den Eltern im Wirtschaftswunder, zerfallen im Zeitalter der Subprime-Papiere zu Staub. Ein diskretes Haus wie die feine Bank Sal. Oppenheim muss die Bücher neuen Geldgebern öffnen. Maria-Elisabeth Schaeffler gelingt die Übernahme von Conti – oder sie wird, auch mit Hilfe der dortigen Politik, in Hannover vom Hof gejagt. Die Piechs und Porsches haben die Klitsche Porsche preisgegeben und sich beim Riesen VW breitgemacht.

Triumph und Niederlage sind die Kinder der Krise.

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6Jul/090

Wetter und Wirtschaft

Glaubt man der Politik, wird es 2010 mit der Konjunktur wieder nach oben gehen. Allerdings ist mein Vertrauen in die Politik begrenzt. Für das kommende Jahr erwarte ich eher eine anhaltende Depression mit schnell steigenden Arbeitslosenzahlen. Unsere Gesellschaft zerfällt immer mehr in Arm und Reich. Denn die aktuelle Krise unterwirft sich nicht dem bekannten Zyklus aus Abschwung, Bodenbildung und Aufschwung. In der weltweiten Wirtschaft findet ein Klimawandel statt. Das meine ich durchaus ernst. So wie sich in den letzten Jahren das Wetter verändert hat, erst nur unmerklich, nun aber um so schneller und auffälliger, genau so wird sich die Wirtschaft verändern.

Polarkappen schmelzen und der Meeresspiegel steigt an. Stürme und Regenfälle in den gemäßigten Regionen werden heftiger, die Folgen fataler. Eine klimatische Entwicklung, der sich keine Region der Erde entziehen kann. Und die Wirtschaft? Boomphasen werden kürzer, echtes Wachstum verläuft quälend langsam. Dafür schlägt negatives Wachstum rasant und massiv ein, in der Bekämpfung teurer als jemals zuvor. Die Folge sind Arbeitslosigkeit von qualifizierten Mitarbeiten aus traditionsreichen Betrieben. Opel und Karstadt sind nur der traurige Anfang. Lohndumping und eine zunehmende Verarmung der Mittelschicht wird zur einer neuen Wahrnehmung im öffentlichen Bewußtsein führen:

Die Verelendung der Gesellschaft.

Nach der Bundestagswahl Ende September wird die neue Regierung, die nach meiner Einschätzung die alte bleiben wird, die Karten auf den Tisch legen müssen. Die Haushaltslage wird eine Lösung erzwingen: Entweder die Steuern rauf oder die Leistungen des Staates runter. Erfahrungsgemäß wird der Rotstift im sozialen Bereich angesetzt und in erster Linie die ärmeren Schichten treffen.

Die hat keine Lobby.

Inerhalb der wachsenden Gruppe der Armen wird es eine deutliche Spaltung geben zwischen denen, die mit Niedriglöhnen noch eben so über die Runden kommen, und denen, die als Dauerarbeitslose ohne Perspektive bleiben. Wie auch immer, die kommenden Debatten, bei knappen Finanzmittel, wird auf "faule Arbeitslose" und auf "Missbrauch von Sozialhilfe" hinauslaufen. Ausgetragen im Fernsehstudio, zur besten Sendezeit und mit Hilfe gut bezahlter Moderatorinnen.

Die eigentliche Ursache für den wirtschaftlichen Klimawandel wird bis dahin aus den Medien und damit aus den Köpfen der Menschen verdrängt worden sein: Das Verhalten der Banken vor der Krise und in der Krise.

P.S.

Seit zwei Wochen Dauerregen und tropische Gewitter im Münchner Outback! Ich gehe mir einen Regenschirm kaufen ...

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2Jul/090

Abwrackprämie

Was wurde nicht schon alles zum Thema Abwrackpränmie geschrieben? Nicht zuletzt von mir. Mit dieser Form der Subvention und Wettbewerbsverzerrung feiert die Bundesregierung einen schnellen Erfolg. Was sind schon läppische 5 Milliarden Euro plus Kosten und Zinsen, im Vergleich zu den Hilfspaketen für deutsche Banken? Mögen die deutschen Exporte in diesen Tagen einbrechen, zumindest die Idee der Abwrackprämie ist ein echter Exportschlager und erobert die Welt: Frankreich, Spanien, Italien, Großbritanien, Österreich, Japan sogar die USA ... und die Liste ist keineswegs vollständig.

Im Herbst sind Bundestagswahlen und schon bald sind die Mittel für diese Konsumsubvention ausgeschöpft. Dann erfolgt das böse Erwachen für die Autoindustrie. Und ich muss kein Wirtschaftsexperte sein um mir die Folgen auszumalen: Der Branche droht ein jäher Absturz und eine lang anhaltende Krise. Die meisten Käufer haben angesichts des Staatszuschusses die Anschaffung eines Autos lediglich vorgezogen. Dafür muss ich nur in meinen Bekanntenkreis schauen Neue Nachfrage wird durch die Abwrackprämie keineswegs geschaffen.

Das die Nachfrage im Ausland den Rückgang auf dem deutschen Automarkt kompensieren wird, halte ich für ausgeschlossen. Die globale Rezession ist im kommenden Jahr nicht am Ende. Der Schock über die Ausmaße der Finanzkrise sitzt tief. Sehr tief. Der große „Bang“ liegt noch nicht mal ein Jahr zurück, ich meine damit, als Lehman Brothers vor die Hunde ging. Seither senken Notenbanken die Zinsen und pumpen unglaubliche Geldmittel in die Wirtschafts. Nur kommt das Geld weniger der realen Wirtschaft und noch weniger dem Konsumenten zu gute.

Vielmehr versumpfen Milliarden in den Kassen der Banken. Weil Banken nur zögerlich Kredite vergeben, kursieren die billigen Gelder an den Börsen dieser Welt und treiben u.a. den Preis für Erdöl kräftig nach oben. Spekulation, weil Geld im Überfluss vorhanden ist. Nichts, aber auch gar nichts hat sich in der Bankenwelt verändert.

Zurück zum ursprünglichen Thema. Die staatliche Abwrackprämie ist ein Strohfeuer und vernebelt uns die Sicht auf die bittere Wahrheit. Die Autoindustrie muss ihre Produktionskapazitäten reduzieren. Das bedeutet konkret: Werke müssen geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden. Eine echte Trendwende am Automobilstandort Deutschland kann es aus meiner Sicht nur mit neuen und effizienten Fahrzeugen geben. Und die bitte eine Nummer kleiner als bisher. Vielleicht sind Autos dann wieder bezahlbar, auch ohne Abwrackprämie.

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25Jun/090

Ersaufen im Geld

Die Europäische Zentralbank flutet den Finanzmarkt weiterhin mit Geld: Zum ersten mal in der Geschichte dürfen sich private Bankhäuser und Sparkassen bei der Notenbank für ein ganzes Jahr unbegrenzt Geld ausleihen, zum sagenhaften Zinssatz von nur noch einen Prozent! In Folge verteilte die EZB gestern rund 442 Milliarden Euro an über 1100 Banken in der Eurozone.

Inzwischen ersaufen die Banken im angehäuften Geld. An der Liquidität kann es also wirklich nicht liegen das Kredite, insbesondere an Kleinunternehmen, nur übervorsichtig oder gar nicht ausgegeben werden. Ebensowenig nachvollziehbar ist, warum die privaten Kunden nach wie vor für ihre Schulden hohe Zinsen berappen müssen. Die von der EZB erwünschte Entlastung erreichen weder die Kleinunternehmer noch den den privaten Verbraucher. Gewinner? Die Banken!

Neben den Banken gibt es noch einen Gewinner der aktuellen Geldpolitik: Schließlich nützt die hohe Liquidität und der niedrige Zins vor allem dem größten Schuldenmacher überhaupt: Der Bundesregierung! Alleine die Neuverschuldung im kommenden Jahr dürfte bei mindestens 70 Milliarden Euro liegen. Risiken aus Bürgschaften (z.B. Hypo Real Estate) sind in der veranschlagten Summe nicht enthalten. Die Neuverschuldung in 2011 und 2012 dürfte ähnlich hoch ausfallen.

Mit der Bankenkrise hat sich nichts verändert. Der Hochmut in den Geldhäusern ist geblieben und wird aus ganz praktischen Gründen weiter untermauert. Gleichzeitig geblieben ist die naive Gutgläubigkeit der Privatkunden. Sie lassen sich – Guthaben selbstverständlich vorausgesetzt - in der Mehrheit mit minderwertigen Bankprodukten und dümmlicher Anlageberatung abspeisen.

Ausgesprochen arm dran sind Kunden mit notorischer Schuldenlast, ich spreche dabei weniger von den Hypothekenfinanzierungen, als vielmehr von Belastungen aus Konsum- und Dispokrediten. In dieser Sparte machen die Banken durch hohen Zins und Kombigeschäfte den maximalen Profit. Nur das Investment-Banking verspricht eine höhere Marge. Aber: Gnade ihm Gott, wenn ein Privatkunde seine Bankschulden aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr bedienen kann. Da reicht schon mal die Kurzarbeit aus, um einen laufenden Kredit zum platzen zu bringen. Staatshilfen wird so ein Schuldner nicht in Anspruch nehmen können.

Um auf den Ursprung meiner Überlegung zu kommen: Was war noch mal in den USA der Auslöser für die globale Finanzkrise? Ach ja, die amerikanische Notenbank hat nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York die Zinsen dratisch gesenkt und jede Menge Geld in die Wirtschaft gepumpt, gepumpt und gepumpt. Na super! Und schon rollt die nächste Krise in Form einer massiven Geldentwertung auf uns zu.

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24Apr/090

Abwrackprämie

Die Abwrackprämie (eigentlich eine Umweltprämie) ist das erfolgreichste und gleichzeitig umstrittenste Instrument des staatlichen Konjunkturpakets. Dabei ebbt der Ansturm auf die Abwrackprämie langsam ab. Bis Mitte April gingen über 1,2 Millionen Anträge beim zuständigen Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle ein. Das Geld im Fördertopf reicht voraussichtlich für weitere 800.000 Anträge, nachdem die Bundesregierung das Budget nachträglich auf fünf Milliarden Euro aufgestockt hatte.

Der Boom, den die Autohändler derzeit beim Verkauf von Kleinwagen erleben, hängt ohne Zweifel mit der staatlichen Prämie zusammen. Die Abwrackprämie hat eine gewisse Kaufhysterie ausgelöst und so manchen klaren Gedanken vernebelt: Die Abwrackprämie richtet sich in erster Linie an diejenigen, die sich ohnehin in absehbarer Zeit ein neues Fahrzeug zulegen wollten. Jeder Neuwagenkäufer sollte also prüfen, wie viel sein Altfahrzeug wirklich noch wert ist. Gerade Oldtimer und Youngtimer gehören nicht in die Schrottpresse, sondern in die Hände von Liebhabern.

Unabhängig von der staatlichen Förderung werden in Deutschland jedes Jahr im Schnitt drei Millionen Neufahrzeuge zugelassen. Bei einen Fahrzeugbestand von insgesamt 41 Millionen PKW in Deutschland ist und bleibt die Abwrackprämie eine kurzlebige Subvention. Ein Wahlkampfgeschenk für ausgesuchte Schichten des Volkes. Den hierbei entstandenen Schuldenberg tragen wir alle ab.

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