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25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe hat sich die geschlossene Zone, ein 30-Kilometer-Radius um den havarierte Block 4, zu einem einzigartigen Naturpark entwickelt. Der Mensch hat sich aus dem kontaminierten Gebiet zurückgezogen und seitdem gedeiht die Tier- und Pflanzenwelt. Die vermeintliche Todeszone wird nun von Seeadler, Wölfen und Wildpferde bewohnt. Fast scheint es so, als würden Flora und Fauna die Radioaktivität besser verkraften als der Mensch. Das Sperrgebiet ist heute ein einmaliges Laboratorium für Wissenschaftler.

Rund 7500 Ausländer haben Tschernobyl seit 1987 besucht: Wissenschaftler, Journalisten und Mitglieder offizieller Delegationen. Doch so ein ungewöhnlicher Ort wie die Sperrzone von Tschernobyl zieht nicht nur Experten an. Inzwischen haben viele Tausend Touristen das Unglücksgebiet besucht. Vielleicht klingt der Begriff „Tourismus“ in diesem Zusammenhang etwas irreführend. Tschernobyl hat mit Erholung und Unterhaltung nicht viel am Hut. Kein Mensch besucht das Holocaust-Denkmal in Berlin um sich unterhalten zu lassen.

Den Begriff Tschernobyl-Tourismus hat, etwas abfällig, die Presse geprägt. Sicherlich wird es in Tschernobyl Besucher geben die den ultimativen Kick suchen. Wer heute unter 25 Jahre alt ist kann den Super-GAU nicht miterlebt haben. Und es mag schon sein, das eine morbide Faszination in uns den Wunsch weckt, persönlich durch die Ruinen der Geisterstadt Pripyat zu wandern. Doch Tschernobyl liegt nicht an bequemen Verkehrswegen, noch nicht einmal im vertrauten Westen. Tschernobyl liegt für die meisten von uns am Ende der Welt und den Ticketschalter für die Eintrittskarte muss man erstmal finden können.

Wer sich diese Mühe macht, diesen Ort mit seiner tragischen Geschichte zu entdecken, der muss sich alles andere als für niedere Beweggründe rechtfertigen. Und nicht zuletzt: Die Scouts der Touren, selbst in Pripyat geboren, legen großen Wert auf ihre Geschichte.